Martin R. Textor

 

In den kommenden Jahren werden immer mehr Menschen das Internet nutzen und damit Zugang zu denselben Informationen, Kenntnissen, Konsumartikeln, Filmen, Musikvideos, Spielen und Programmen haben. Sie werden auch Texte und Verbalaussagen in anderen Sprachen verstehen, da diese automatisch - und immer treffender - übersetzt werden. Gleichzeitig werden Geschwindigkeit und Rechenleistung der von ihnen verwendeten Geräte sowie die im Internet übertragenen Datenmengen rasant zunehmen.

Anfang 2019 verfügten laut Statistischem Bundesamt 82% der privaten Haushalte in Deutschland über Laptops, Tablets oder Netbooks sowie 45% über stationäre Computer. In der Summe besaßen die 41 Mio. Privathaushalte 85 Mio. Computer; 94% hatten einen Internetzugang. Ferner gab es in 97% der privaten Haushalte mindestens ein Mobiltelefon. Von den Deutschen ab 10 Jahren mit Internetaktivitäten nutzten 89% das Internet für die Suche nach Informationen über Waren und Dienstleistungen, 70% für Einkäufe, 60% für Online-Banking und 54% zur Nutzung sozialer Netzwerke; 90% waren (fast) jeden Tag im Internet.

Bei der Suche nach Waren und Dienstleistungen im Internet ist ein Preisvergleich möglich, sodass beim billigsten Anbieter gekauft werden kann. Auch beim Shoppen im Geschäft kann mit Hilfe des Smartphones überprüft werden, ob es das jeweilige Produkt nicht woanders preiswerter gibt. Dies verschärft die Konkurrenz zwischen den Geschäften; die Preise - und damit die Inflationsraten - bleiben niedrig.

Erweiterte und virtuelle Realität

Smartphones und Tablets bieten aber noch mehr: Dank der "Augmented Reality" können bei einem mit der eingebauten Kamera fixierten Objekt Zusatzinformationen eingeblendet werden - z.B. bei einem Kleidungsstück, in welchen Größen es im jeweiligen Geschäft vorhanden ist, bei einem Restaurant, wie es von anderen Menschen bewertet wurde, oder bei einem sehenswerten Gebäude, wann und von wem es erbaut wurde. Virtuelle Spiegel (z.B. "StyleMe") und Softwareprogramme von Internetshops zeigen, wie man mit einem Kleidungsstück (oder Accessoire) aussehen würde, ohne dass man dieses anziehen muss.

Bei Verwendung einer besonderen Brille (z.B. "Google Glass") kann bei Stadtbesichtigungen und Museumsbesuchen z.B. ein Straßenzug mit einem historischen Foto, eine Ruine (wie das Kolosseum) mit einer grafischen Rekonstruktion oder ein Dinosaurierskelett mit einer Animation überlagert werden. Auch Navigationshinweise oder Werbebotschaften können eingeblendet werden. In naher Zukunft werden solche Brillen (oder andere mit Kamera und Internetzugang versehene Geräte) fremde Personen identifizieren können, falls Fotos von ihnen im Internet vorhanden sind. Dann könnten weitere Informationen über sie abgerufen werden (z.B. ob sie Single sind).

Bei "virtueller Realität" tauchen Benutzer komplett in eine in Echtzeit computergenerierte, interaktive virtuelle Welt ein. Dazu wird eine Videobrille oder eine das gesamte Gesichtsfeld abdeckende "Virtual-Reality-Brille" (bzw. -Helm) benötigt. Letztere verfügt auch über Sensoren zur Bewegungserfassung des Kopfes, sodass das Bild an die jeweilige Blickrichtung angepasst werden kann. Mit Hilfe eines Eingabegeräts kann man sich durch die virtuelle Welt bewegen bzw. einen Avatar steuern. Man kann mit anderen Avataren interagieren - und wird sogar Gefühle ihnen gegenüber empfinden, da die Wesen immer realer wirken. Laut dem Futurologen Arnold Brown werden in Zukunft haptische Technologien es ermöglichen, auch physisch auf andere Avatare zu reagieren; selbst virtueller Sex sei dann denkbar.

Besucht man verschiedene virtuelle Welten, kann man sich in jeder durch einen anderen Avatar vertreten lassen, den man nach eigenen Vorstellungen gestalten kann. In einigen Jahren werden diese Avatare auch Aufgaben lösen können, ohne dass man selbst in der jeweiligen virtuellen Welt präsent ist. Laut Arnold Brown könnten sie für eine Person Recherchen durchführen, ein virtuelles Unternehmen weiterführen oder den Kontakt zu anderen Personen (bzw. zu deren Avatare) aufrechterhalten (also z.B. Neuigkeiten über sie sammeln). Je mehr Menschen sich mit ihren (verschiedenen) Avataren identifizieren, umso mehr könnten die Grenzen zwischen realen und virtuellen Identitäten verschwimmen: Dann würden manche Menschen "multiple Persönlichkeiten" entwickeln, könnten also im Extremfall nur noch mit Mühe zwischen sich selbst und den eigenen Avataren unterscheiden.

Neue technische Entwicklungen

In den kommenden Jahren werden sich die Geräte verändern, mit denen Menschen das Internet nutzen. Schon jetzt können hierzu Armbanduhren verwendet werden. In der nahen Zukunft werden Computer z.B. in Kleidungsstücke integriert, in die Oberfläche von Tischen eingefügt oder an die Wand geklebt werden - ultradünne und flexible Displays, die gerollt, gefaltet und verbogen werden können, machen dies möglich. Zudem werden sie immer häufiger über das gesprochene Wort oder durch Gesten gesteuert werden.

Einige dieser Geräte werden zum Monitoring des eigenen Gesundheitszustandes verwendet werden. So können Smartwatches und Armbandgeräte Pulsfrequenz, Kalorienverbrauch und viele andere Körperfunktionen erfassen. Andere Geräte werden zur Dokumentation des eigenen Lebens eingesetzt werden - seit einigen Jahren gibt es bereits kleine Kameras (z.B. "Narrative Clip"), die am Blusen- bzw. Hemdkragen angeklippt werden, alle 30 Sekunden ein Foto machen und so den Tagesablauf festhalten. Mit Hilfe von Smartphones und Tablets können schon heute Heizung, Klimageräte, Alarmanlage, Rollläden etc. aus der Ferne gesteuert und Räume (z.B. mit einem schlafenden Baby) überwacht werden. Solche Apps werden in einigen Jahren weit verbreitet sein.

Damit wird sich auch das Wohnen ändern: Die Haustür wird entweder mit einer App auf dem Smartphone geöffnet oder geht erst nach der Überprüfung biometrischer Charakteristika auf. Bei Dunkelheit wird das Licht im Flur (oder einem anderen Zimmer) automatisch eingeschaltet - und geht wieder aus, wenn der Bewohner den jeweiligen Raum verlässt. Die Displays an den Wänden werden auf Wunsch Nachrichten, Fotos, Grafiken, Gemälde oder Filme zeigen. Beim Telefonieren werden die Gesprächspartner auf einem der Displays erscheinen - oder als 3-D-Hologramme im Raum. Insbesondere bei Senioren bzw. pflegebedürftigen Menschen wird durch Kameras überwacht werden, ob sie genug essen und trinken, regelmäßig ihre Medikamente nehmen usw. Werden keine Lebenszeichen mehr wahrgenommen - oder auffällige wie z.B. bei einem Sturz -, werden automatisch Ärzte, Notdienste oder Verwandte verständigt. Aber auch jüngere Erwachsene werden von solchen Überwachungssystemen profitieren, wenn diese z.B. Krankheitssymptome abfragen oder den Urin bzw. eine Blutprobe analysieren können. Je besser diagnostische Computerprogramme werden, umso häufiger wird dann der Weg zum Arzt entfallen...

Viele Haushaltsgeräte werden vernetzt sein, sodass z.B. der Inhalt des Kühlschranks auch von außerhalb der Wohnung erfasst werden kann. Regelmäßig benötigte Lebensmittel und Haushaltsartikel werden - sofern gewünscht - automatisch bestellt. Haushaltsroboter können schon jetzt Böden wischen, Teppiche saugen und Fenster putzen; sie werden in den nächsten Jahren immer mehr Funktionen übernehmen. Beleuchtung, Zimmertemperatur, Hintergrundmusik usw. werden entsprechend der Wünsche und Voreinstellungen der Bewohner variiert werden.

Die neue Medienwelt

Die Wohnung von morgen wird keine Wünsche hinsichtlich des Medienkonsums offen lassen. Das "klassische" Fernsehen wird eine immer unbedeutendere Rolle spielen: Dank "Time-Shifting" werden Sendungen dann angeschaut, wenn die jeweilige Person Zeit und Lust hat. Pay-TV wird zunehmend genutzt werden, da hier die störenden Werbeunterbrechungen fehlen. Immer häufiger werden Filme aus dem Internet heruntergeladen werden - nicht nur auf den Computer, sondern auch auf den Fernsehbildschirm und in einigen Jahren auf die schon erwähnten Wanddisplays. Eine noch größere Zukunft hat das Streaming von Videos, da hier keine oder nur geringe Kosten anfallen. Auch Nachrichten werden zunehmend aus dem Internet kommen, da sie aktueller als Fernsehnachrichten sind und immer besser entsprechend der eigenen Interessen gefiltert werden können. Inzwischen erlauben Tablets und Smartphones die Rezeption von audiovisuellen Inhalten an jedem beliebigen Ort zu jeder Zeit.

In den nächsten Jahren werden PC-Spiele immer mehr von Online-Spielen verdrängt werden. Letztere sind kostenlos bzw. relativ preiswert, werden schneller weiterentwickelt und lassen sich auch mit Freunden oder Unbekannten spielen, die ganz woanders wohnen. Im Jahr 2018 nutzten laut Statistischem Bundesamt bereits 40% der Deutschen ab 10 Jahren das Internet für Online-Spiele.

Dem Nationalen Bildungsbericht 2020 zufolge verwendeten 2019 laut Auskunft der Erziehungsberechtigten schon 8% der unter Dreijährigen, 21% der Dreijährigen, 27% der Vierjährigen und 41% der Fünfjährigen digitale Medien wie z.B. ein Smartphone, Videospiele oder einen Computer. Die Nutzungsdauer lag aber nur bei durchschnittlich 10 Minuten pro Tag. Mit 12 bis 13 Jahren darf dann nahezu jedes Kind ohne die Begleitung Erwachsener digitale Medien bzw. das Internet nutzen. Im Zeitvergleich wird dafür weniger Fernsehen geschaut oder Radio gehört als früher, aber auch das Treffen mit Freunden ist zumindest bei Jugendlichen etwas seltener geworden. Tabelle 1 verdeutlicht, wie lange Kinder und Jugendliche dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest zufolge unterschiedliche Medien nutzen.

Tabelle 1: Durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer bei verschiedenen Medien
Medium 2- bis 5-Jährige (2014; laut Haupterzieher) 6- bis 13-Jährige (2018; laut Haupterzieher) 12- bis 19-Jährige (2019; laut Jugendlicher)

Lesen

26 Min.*

22 Min.

53 Min.

Fernsehen

43 Min.

82 Min.

107 Min.

Radio

18 Min.

26 Min.

Internetnutzung

2 Min.

45 Min.

205 Min.

Computer-, Konsolen-, Online- und Handyspiele

3 Min.

50 Min.

inkludiert bei Internetnutzung

* Beschäftigung mit Büchern
Quellen: "miniKIM 2014", "KIM-Studie 2018" und "JIM-Studie 2019" des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, Stuttgart

Bei der 18. Shell Jugendstudie von 2019 wurde eine Typologie der Internetnutzer im Alter von 12 bis 25 Jahren entwickelt:

  • Die "Unterhaltungs-Konsumenten" (33%), eher jüngere Jugendliche, nutzen überdurchschnittlich oft soziale Medien und Unterhaltungsangebote (tägliche Internutzung: 4,0 Stunden).
  • Die "Funktionsnutzer" (24%), unter denen Frauen und Personen aus oberen sozialen Schichten überrepräsentiert sind, greifen auf das Internet vor allem für Schule, Ausbildung oder Beruf und für andere Informationsbedürfnisse zurück (tägliche Internutzung: 2,9 Stunden).
  • Die "Intensiv-Allrounder" (19%), überwiegend männlich, älter und aus oberen sozialen Schichten, verwenden das Internet für eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Zwecke, veröffentlichen aber nur selten eigene Beiträge im Netz (tägliche Internutzung: 4,3 Stunden).
  • Die "Zurückhaltenden" (12%), zumeist eher jüngere männliche Jugendliche, sind bei allen Internetangeboten - insbesondere Messengerdiensten und sozialen Netzwerken - weniger aktiv als Gleichaltrige (tägliche Internutzung: 2,7 Stunden).
  • Die "Uploader" (12%), vor allem Jugendliche aus unteren sozialen Schichten oder mit Migrationshintergrund, nutzen das Internet in erster Linie für die Selbstinszenierung, indem sie eigene Videos, Fotos bzw. Musik posten oder an einem Blog schreiben (tägliche Internutzung: 4,3 Stunden).

Den befragten Jugendlichen und Heranwachsenden dient das Internet an erster Stelle der Kommunikation mit anderen: 96% nutzen mindestens einmal täglich soziale Netzwerke und Messengerdienste. An zweiter Stelle folgt die Unterhaltung - 76% sind deswegen jeden Tag im Internet. Aber auch die Suche nach Informationen für Schule oder Beruf, über Politik, Gesellschaft und andere Themen spielt eine große Rolle: 71% der Befragten waren täglich damit befasst. Hingegen stellten nur 12% jeden Tag Fotos, Videos, Musik oder Blogbeiträge online. Die meisten Jugendlichen und Heranwachsenden gehen im Internet vorsichtig mit persönlichen Daten um. Dies gilt insbesondere für die "Funktionsnutzer" und die "Intensiv-Allrounder".

Immer beliebter bei der Mediennutzung ist das "Multitasking": Die meisten (jüngeren) Menschen nutzen häufig mehrere Geräte gleichzeitig: Beispielsweise schauen sie einen Film an und telefonieren dabei mit Freunden, senden eine WhatsApp-Nachricht oder surfen im Internet. Zudem können auf Fernseh- und Computerbildschirmen mehrere Fenster geöffnet werden, sodass z.B. gleichzeitig Fernsehprogramme angeschaut, Websites und Blogs genutzt oder Botschaften mit WhatsApp bzw. Twitter verschickt werden können. Bei einer Studie von Lawrence Baines (University of Oklahoma) wurde ermittelt, dass junge Amerikaner auf diese Weise 10 Stunden Medienkonsum in 7,5 reale Stunden hineinpacken.

Beim "Social TV" können Fernsehsendungen oder Livestreams kommentiert und bewertet werden, ist eine Meinungsaustausch mit anderen Zuschauern möglich (inzwischen sogar per Videochat). Bei Quizshows können die gleichen Fragen beantwortet werden, die gerade den Kandidaten gestellt wurden; bei Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" kann über das Internet abgestimmt werden. Zu vielen Fernsehsendungen gibt es inzwischen "Facebook"-Seiten, Tweets und Apps.

Das Internet - zwischen Verdummung und Wissenserwerb

Untersuchungen belegen, dass Kinder und Jugendliche, die Medien (mit Ausnahme von Büchern) intensiver nutzen, sich im Unterricht häufiger langweilen und schlechtere Schulnoten haben. Da Jungen mehr Zeit mit Fernsehen, dem Anschauen von Videos und elektronischen Spielen verbringen, wird in diesem Verhalten ein Grund dafür gesehen, weshalb Mädchen auf der Schule besser abschneiden.

Heute lesen Menschen weniger als früher, verbringen dafür aber mehr Zeit mit Fernsehen und im Internet. Hier werden sie einer immer einfacher werdenden Sprache ausgesetzt; zudem lesen sie Texte im Internet in der Regel nur kursorisch. Damit geht viel kognitive Anregung verloren, wie sie in Büchern und Tageszeitungen alleine schon durch die komplexe, de-kontextualisierte Schriftsprache gegeben ist. Aber auch hier veröffentlichten Inhalte wie z.B. Nachrichten, wissenschaftliche Texte oder Romanhandlungen sind anspruchsvoller. Hinzu kommt, dass die neuen Medien soviel an Ablenkung bieten, dass immer weniger Zeit zum Nachdenken übrig bleibt.

Auf viele Menschen haben Medienkonsum und Internetnutzung somit eine eher verdummende Wirkung. Sie verbringen fast ihre gesamte Freizeit mit dem Anschauen von Filmen und Fernsehshows, mit elektronischen Spielen, mit Surfen, Tweeten, Simsen usw. So bekommen sie immer weniger vom Weltgeschehen, von politischen Problemen, wissenschaftlichen Entdeckungen, technischen Neuerungen oder gesellschaftlichen Entwicklungen mit. Mangels Information wird die Welt für sie immer unverständlicher...

Und dabei ist im Internet so viel Wissen zu finden! Auf unzähligen Websites von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, wissenschaftlichen Organisationen, politischen Stiftungen, Sozialverbänden, Museen usw. können allgemeinbildende oder fachspezifische Kenntnisse abgerufen werden - alle Menschen auf dieser Erde haben prinzipiell Zugang zu demselben Wissen, sofern sie über einen Internetzugang verfügen. Auch gibt es immer mehr kostenfreie Bildungsangebote und Lernprogramme online. Beispielsweise nutzt rund die Hälfte der Schüler in Deutschland Erklärvideos auf YouTube beim Erledigen von Hausaufgaben oder zur Vorbereitung auf Prüfungen. Auch bieten viele Universitäten und Websites ("Udacity", "Coursera", "Khan Academy" usw.) Kurse auf Hochschulniveau an - einige werden inzwischen von Tausenden von Studenten belegt. Zumeist ist die Nutzung kostenlos; nur wer für einen Kurs einen Abschluss erwerben möchte, muss eine (Prüfungs-) Gebühr bezahlen. Für den erfolgreichen Besuch eines Kurses werden häufig Credits vergeben, die bei einem Hochschulstudium angerechnet werden.

Maria H. Andersen, "Director of Learning and Innovation für die Greater Salt Lake City Area9", geht davon aus, dass in Zukunft das Lernen personalisiert sein wird: Belegt jemand einen Online-Kurs, wird er mit einem Fragenkatalog konfrontiert. Nur wenn er eine Frage nicht oder falsch beantwortet, werden die benötigten Kenntnisse eingespielt (und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgefragt). So werden Fragen entsprechend der Vorkenntnisse und des Lernfortschritts variiert, Unter- und Überforderung werden minimiert.

Kommunikation in Zeiten von Internet und Handy

Inzwischen können nahezu alle Deutsche jederzeit erreicht werden - ihre Handys bzw. Smartphones sind immer eingeschaltet. Die eingebauten Kameras (auch in Tablets, Laptops etc.) ermöglichen den Blickkontakt während des Telefonats. Zudem kann dem Gesprächspartner schnell ein Eindruck von dem Ort vermittelt werden, an dem man sich gerade befindet, oder von dort ablaufenden Ereignissen (z.B. den ersten Krabbelversuchen eines Babys). Aber auch viele andere Funktionen kann ein Smartphone mit dem entsprechenden Programm erfüllen: So luden laut der Daten- und Analyseplattform "App Annie" im Jahr 2019 Menschen weltweit 204 Mrd. Apps herunter und gaben dafür 120 Mrd. US $ aus. Keine Wunder, dass einer repräsentativen Studie im Auftrag von Telefónica Deutschland aus dem Jahr 2019 zufolge die Befragten im Alter von 18 bis 70 Jahren ihr Smartphone durchschnittlich 2,1 Stunden pro Tag nutzten - 27% der 18- bis 29-Jährigen sogar länger als vier Stunden. Nur 22% der Befragten legten in ihrer Freizeit das Handy für mehr als 60 Minuten aus der Hand.

Eine immer größer werdende Rolle spielen soziale Netzwerk - nicht nur in Nordamerika und Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten. Am bekanntesten ist "Facebook", das erst im Jahr 2004 online ging - und 2020 schon rund 2,45 Mrd. Mitglieder weltweit hatte. Soziale Netzwerke dienen der Aufrechterhaltung von Beziehungen zwischen Verwandten, Klassenkameraden und Freunden, die an verschiedenen, weit voneinander entfernten Orten wohnen. Auch führen sie Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen, die Informationen und Erfahrungen austauschen wollen. So dürften nahezu alle Organisationen, Verbände, Parteien, Vereine und Selbsthilfegruppen in solchen Netzwerken vertreten sein.

Inzwischen werden soziale Netzwerke von vielen Menschen als öffentliche Orte der authentischen - oder experimentellen - Selbstdarstellung genutzt: Sie dokumentieren nahezu jeder Tag, stellen fortwährend Fotos und Videos ein, beschreiben besondere Erlebnisse und die dadurch geweckten Gefühle. Zugleich finden (junge) Menschen im Netz Vorbilder ("Influencer") und Tipps für die eigene Selbstinszenierung. So tragen soziale Netzwerke zur Identitätsbildung und Definition der eigenen (Geschlechts-) Rollen bei. Zwischen vielen jungen Menschen ist ein Wettbewerb entstanden, wer mehr "Freunde" und "Likes" z.B. auf seiner "Facebook"-Seite sammelt. Von diesen Freunden gehen Updates ein, wenn sie ihre eigenen Seiten ergänzt haben, und so ist es nicht verwunderlich, wenn junge Menschen sich nahezu jeden Tag mehrere Stunden lang in sozialen Netzwerken aufhalten.

Insbesondere bei Fußball-, Fernseh-, Film- und Musikstars haben sich inzwischen Hunderttausende von Menschen selbst als "Freunde" auf deren Seiten registriert. Auf diese Weise wird deutlich, wie beliebt ein Star ist - oder ein Politiker, eine Partei, eine Firma. Einträge von Nutzern auf ihren eigenen Seiten, Interaktionen in Internetforen oder Kommentare auf den Websites von Unternehmen geben Auskunft darüber, wie deren Produkte ankommen - und so ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Unternehmen Mitarbeiter abstellen, die unbemerkt positive Aussagen über eigene Produkte in soziale Netzwerke platzieren sollen.

Inzwischen gibt es viele spezialisierte Websites, auf denen z.B. Restaurants, Lieferdienste, Reiseangebote, Geschäfte, Verkäufer (z.B. auf "eBay"), Arbeitgeber (z.B. auf "kununu"), Professoren (z.B. auf "MeinProf"), die Nachbarschaft (z.B. auf "ihood") oder eine riesige Palette verschiedenster Güter (z.B. auf "amazon") bewertet werden können. Im Nordamerika spricht man bereits von einer "rateocracy". So müssen Gaststätten, Geschäfte, Unternehmen, Hochschulen und andere Einrichtungen immer mehr die Meinungen von Besuchern, Kunden, Beschäftigten, Studenten usw. berücksichtigen. Es wird immer wichtiger, einen guten Ruf zu wahren oder wiederherzustellen. Beispielsweise müssen Manager zunehmend darauf achten, dass Produkte und Produktionsverfahren die Umwelt nicht belasten, Zulieferer aus Entwicklungs- und Schwellenländern nicht ihre Arbeiter ausbeuten und die Beschäftigten vor Ort zufrieden sind, damit sie nicht irgendwelche kritischen Kommentare im Internet veröffentlichen. Viele Unternehmen haben inzwischen einen Handlungsplan entwickelt, mit dessen Hilfe möglichst rasch auf Medienberichte über fehlerhafte bzw. gesundheitsgefährdende Produkte oder über andere Skandale reagiert werden soll.

Ständige Überwachung

Neben den von Menschen im Internet veröffentlichten Texten, Videos, Tweets etc. und den von Unternehmen und Behörden gesammelten Daten werden immer mehr Daten von Maschinen produziert, die im "Internet der Dinge" miteinander vernetzt sind. So könnte laut Cisco die Anzahl der Geräte, die miteinander über das Internet kommunizieren, von weltweit 30 Mrd. (2020) auf ca. 500 Mrd. im Jahr 2030 steigen. Dementsprechend wird die weltweite Datenflut ("Big Data") immer größer: Das Volumen verdoppelt sich derzeit alle zwei Jahre.

Im "Internet der Dinge" werden z.B. Warenbestände in Geschäften und Unternehmen, die Haltbarkeit von Lebensmitteln und der Transport von Gütern überwacht sowie Produktionsanlagen und Infrastruktureinrichtungen gesteuert. Beispielsweise werden Verkehrsströme durch Kameras beobachtet und bei Bedarf Ampeln anders geschaltet oder Umleitungen automatisch eingerichtet. Zunehmend werden öffentliche Plätze, Straßenzüge, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude sowie Wohnungen überwacht und Polizei, Hausdetektive oder Wachdienste bei Diebstählen, Gewalttaten oder Einbrüchen per Internet verständigt. Neue Daten auf sozialen Websites werden dahingehend ausgewertet werden, ob sie z.B. Hinweise auf Epidemien geben, und Sensoren an zu Überschwemmungen neigenden Flüssen oder an instabilen Berghängen werden vor Naturkatastrophen warnen.

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien werden laut Eric Schmidt, "Executive Chairman" von "Google", und Jared Cohen, Direktor von "Google Ideas", auch zunehmend beim Wiederaufbau von Regionen bzw. Ländern zum Einsatz kommen, die durch Kriege oder Naturkatastrophen verwüstet wurden. So lassen sich Mobilfunknetze relativ schnell aufbauen und ermöglichen dann die Kommunikation zwischen Helfern und den sie entsendenden Institutionen - aber auch wirtschaftliche und staatliche Aktivitäten. In Zukunft werden wichtige Dokumente von Behörden in der "Cloud" gespeichert werden, sodass sie auch nach der Zerstörung von Gebäuden und Computern zur Verfügung stehen. Dann könnten virtuelle Behörden staatliche und kommunale Aufgaben zumindest teilweise erfüllen - selbst aus dem Ausland heraus.

Im Jahr 2013 enthüllte der US-amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, in welch zuvor unvorstellbarem Maße die amerikanische "National Security Agency" (NSA), das britische "Government Communications Headquarter" (GCHQ) und andere Geheimdienste den elektronischen Datenverkehr überwachen. Sie hören z.B. Telefonate über Glasfaserkabel und Handys ab, werten die Kommunikation im Internet aus, schleichen sich in Intranets und sogar in einzelne Computer ein und erfassen die Daten der Nutzer von "Google", "Bing", "Facebook" und anderen Websites. Alleine die NSA speichert zwischen 40 und 50 Billionen Telefonate und E-Mails aus aller Welt, vor allem Verbindungsdaten. In riesigen Datenzentren werden die gesammelten Informationen weitgehend automatisch ausgewertet. Auf diese Weise werden nicht nur verdächtige Personen und Organisationen sowie feindlich gesinnte Staaten überwacht, sondern auch befreundete Regierungen, Wirtschaftsunternehmen und Entscheidungsträger.

Inwieweit die westlichen Geheimdienste auch Industriespionage über das Internet betreiben, ist (noch) unbekannt. Andere Länder wie z.B. China und Russland sind in hohem Maße auf diesem Gebiet tätig. Laut einer Umfrage von Bitkom-Research bei 1.070 Unternehmen mit 10 oder mehr Mitarbeitern aus dem Jahr 2019 entstand der deutschen Wirtschaft durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage ein Gesamtschaden von 102,9 Mrd. Euro - zwei Jahre zuvor waren es erst 55 Mrd. Euro gewesen. Schon 75% der Unternehmen waren in den beiden letzten Jahren von Angriffen betroffen; weitere 13% vermuteten dies. 82% der Befragten gingen davon aus, dass insbesondere die Zahl der Cyberattacken weiter zunehmen wird.

Aber auch Ministerien, Universitäten, Forschungsstätten, Behörden, Organisationen und Verbände werden ausspioniert. Ferner werden verletzliche Computersysteme und Infrastruktureinrichtungen über das Internet unterwandert. Im Falle eines (Cyber-) Krieges können so im Feindesland z.B. Stromnetze gestört oder Züge zum Entgleisen gebracht werden, kann der Computerhandel am Aktienmarkt unterbrochen oder die Temperaturüberwachung in Atomkraftwerken abgeschaltet werden. Die Schäden wären enorm. So wird IT-Security in den kommenden Jahren immer wichtiger werden.

Mit zunehmender Vernetzung wird die Verwundbarkeit von Wirtschaft und Gesellschaft noch größer werden - auch durch "Cyberterrorismus". So kann das Internet für die Verbreitung von Bauanleitungen für Sprengkörper, für die Geldbeschaffung (z.B. via Online-Betrug) und für die Planung von Anschlägen genutzt werden. Außerdem können Terrorgruppen Websites und soziale Netzwerke für die Selbstvermarktung und das Anwerben neuer Anhänger nutzen.

Allerdings erleichtern Internet und Mobilfunk auch die Suche nach Terroristen (und anderen Straftätern) sowie die Überwachung von Verdächtigen. Dazu wird die Datenflut automatisch durch entsprechende Software ausgewertet. Zunehmend werden auch festinstallierte oder mobile, z.B. in unbemannten Drohnen eingebaute Überwachungskameras genutzt. In manchen Städten (z.B. London, Shenzhen, Chongqing) gibt es bereits mehr als 100.000 Kameras, die miteinander vernetzt sind. In den nächsten Jahren werden Computerprogramme Menschen immer besser anhand biometrischer Merkmale identifizieren können. Zudem kann neu entwickelte Software (z.B. "Mind's Eye") auch die Handlungen der von Überwachungskameras erfassten Menschen analysieren und bei verdächtigen Aktionen Alarm auslösen.

Laut Eric Schmidt und Jared Cohen wird es für die Mächtigen dieser Welt schwerer, Meinungen zu manipulieren, da die Menschen korrekte und verifizierte Informationen über das Internet abrufen können. Auch können Menschenrechtsverletzungen, Polizeigewalt und das Vorgehen Bewaffneter in Bürgerkriegen leicht per Handykamera dokumentiert und im Internet veröffentlicht werden, was vielfach eine abschreckende Wirkung hat bzw. weitere Gewalt verhindert. Mit Hilfe der neuen Kommunikationstechnologien können sogar Revolutionen eingeleitet werden, wie z.B. der "Arabische Frühling" zeigte.

Jedoch können Regierungen in revolutionären Situationen das Internet und die Mobilfunkverbindungen weitgehend abschalten, wie dies z.B. in Ägypten Anfang 2011 praktiziert wurde. Ferner werden autoritäre Staaten wie China, Nordkorea, Saudiarabien, der Iran u.a. weiterhin versuchen, das Internet zu regulieren, indem sie entweder eine Zensur ausüben oder ihr Netz gegenüber dem Ausland abschirmen. Letzteres wird auch von einigen europäischen und südamerikanischen Ländern angedacht, um Daten besser vor ausländischen Geheimdiensten zu schützen. Diese sollen nur noch im eigenen Land gespeichert werden, und die Kommunikation im Inland soll ausschließlich über das nationale Netz laufen. Aber auch manche Konzerne planen geschlossene Netzwerke, auf deren (verschlüsselte) Daten Suchmaschinen überhaupt nicht und Geheimdienste nur schwer zugreifen könnten. Außerdem entstehen mancherorts Mesh-Netzwerke, bei denen Computer via Funk miteinander verbunden sind und Daten direkt austauschen.

Das Ende der Privatsphäre

Während die Überwachung durch Geheimdienste die meisten Bürger kalt lässt - schließlich haben sie ihres Erachtens nichts zu verbergen -, sieht es bei der "Datensammelwut" von Unternehmen anders aus: Geschäfte sammeln Daten über das Kaufverhalten, sofern man Kundenkarten verwendet, und werten diese in Hinblick auf Vorlieben für besondere Produkte und bestimmte Marken aus, aber auch hinsichtlich Lebensstil und Gesundheitszustand. Insbesondere Internetshops stellen dann gezielt Waren vor, die zum bisherigen Kaufmuster passen. Bei Ratenzahlungen oder der Beantragung von Darlehen können Daten über die Kreditwürdigkeit einer Person bzw. ihre Schulden abgerufen werden. Suchmaschinen werten Suchanfragen und soziale Websites Einträge aus, um auf den jeweiligen Nutzer zugeschnittene Werbeanzeigen einblenden zu können. Mobilfunkanbieter erfassen den Ort, an dem sich ein Smartphone- oder Tabletbesitzer gerade befindet, und können somit auch Bewegungsprofile erstellen. Aber auch immer mehr Autos können geortet werden, wenn z.B. Navigationssysteme benutzt werden.

Aber auch die Hersteller neuer PKW erfassen eine Unmenge an Daten über das Verhalten der Fahrer/innen. So berichtete der ADAC, dass bei den vier untersuchten Modellen z.B. alle zwei Minuten der Standort des PKW an den Hersteller übermittelt wird und ob das Fahrzeug im Stadtverkehr, auf Landstraßen oder Autobahnen unterwegs ist. Ferner werden Statusdaten wie Geschwindigkeit, Kilometerstand oder Verbrauch übertragen, aber auch z.B. die Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen (etwa aufgrund starken Bremsens - erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil) oder die Häufigkeit des Wechselns von Musik-CDs oder Sticks. Die gesammelten Daten werden schon genutzt - durchaus auch zum Nachteil der Kunden: So berichtete der ADAC, dass einem Cabrio-Fahrer die kostenlose Reparatur seines Verdecks während der Gewährleistungsfrist verweigert wurde, weil er bei der Benutzung schneller als laut Bedienungsanleitung erlaubt gefahren sei.

Inzwischen gibt es für Eltern Apps, mit deren Hilfe sie den Standort ihres Kindes anhand seines Smartphones ermitteln können und die Alarm schlagen, wenn es sich außerhalb bestimmter Straßenzüge oder Areale bewegt. Andere Programme ermöglichen es, eine SMS des Kindes mitzulesen oder sein Smartphone zu sperren, wenn es auf Anrufe seiner Eltern nicht reagiert. In naher Zukunft werden vielleicht Chips unter die Haut von Alzheimer-Patienten gepflanzt werden, sodass sie schneller gefunden werden können, wenn sie sich verirrt haben. Auch entlassene Straftäter könnten unter noch festzulegenden Voraussetzungen auf solche Weise überwacht werden.

Je mehr personenbezogene Daten zwischen Unternehmen oder innerhalb großer Konzerne ausgetauscht werden, umso durchsichtiger wird der Kunde - und umso treffsicherer kann er mit Werbung "bombardiert" werden: Beim Bummeln durch seinen Heimatort wird das gerade benutzte mobile Gerät Anzeigen von seinen Lieblingsgeschäften einblenden; beim Bummeln durch einen Laden wird es ihn auf Sonderangebote und auf Produkte aufmerksam machen, die er schon häufiger gekauft hat; beim Erkunden einer fremden Stadt wird es ihn auf solche Restaurants hinweisen, die er an seinem Wohnort besucht. Aber auch Versicherungsgesellschaften werden u.U. solche Daten nutzen und z.B. höhere Prämien verlangen, wenn ein Erwachsener regelmäßig Tabakwaren, Alkohol oder fett- und zuckerreiche Lebensmittel kauft.

Dieses System wird weiter perfektioniert werden, da in naher Zukunft immer mehr Daten über den einzelnen Menschen vorliegen werden - z.B. weil er häufiger mit Kreditkarten, mit dem Smartphone oder mit Hilfe einer App bezahlen wird und somit noch mehr Konsumausgaben erfasst werden. Aus Selbststeuerung könnte dann ein eher fremdbestimmtes Verhalten werden, da die Bedürfnisse und Interessen einer Person immer mehr antizipiert und ihr dann entsprechende Angebote gemacht werden: Auf diese Weise wird das Individuum in die scheinbar von ihm gewünschten Richtung gelenkt...

Hinzu kommt, dass Menschen immer mehr Informationen über sich selbst in sozialen Netzwerken veröffentlichen, die von den jeweiligen Anbietern ausgewertet, für Werbebotschaften genutzt oder weiterverkauft werden. Diese Transparenz mag auch zu mehr sozialer Kontrolle oder gar zu negativen Reaktionen aus der Verwandtschaft führen, wenn z.B. Eltern erst beim Surfen in sozialen Websites entdecken, dass ihr Sohn homosexuell ist oder ihre Tochter ein Semester vertrödelt hat.

Insbesondere jüngere Menschen sind sich nicht bewusst, dass Freunde und Sexualpartner negative Informationen über sie auf Websites hochladen können, und viele haben im Internet schon Fotos von ihrem letzten Saufgelage oder sogar Nacktfotos entdeckt, die ihr Expartner aus Rache veröffentlicht hat. Inzwischen suchen immer mehr Arbeitgeber vor Neueinstellungen nach der jeweiligen Person im Internet - und werden dann durch solche Bilder oder vergleichbare Texte abgeschreckt, selbst wenn hier nur "Jugendsünden" dargestellt wurden. Aber auch das Cybermobbing dürfte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen - laut der JIM-Studie von 2018 (s.o.) waren bereits 8% der befragten 12- bis 19-Jährigen selbst ein Opfer gewesen. 

In Zukunft wird es also immer wichtiger werden, die Kontrolle über im Internet veröffentlichte Informationen zu behalten, die zumeist nicht endgültig gelöscht werden können. Schon Kinder müssen mit Hilfe ihrer Eltern und Lehrer lernen, die eigene Privatsphäre zu schützen. Erwachsene werden beruflich und privat viele Daten (z.B. E-Mails) verschlüsseln. Außerdem werden die Menschen wieder mehr Textnachrichten, Fotos und Filme direkt versenden (z.B. über ihre Smartphones), anstatt sie in soziale Netzwerke einzustellen. Zur Kontrolle über die eigenen Daten gehört aber auch, gezielt eine bestimmte Auswahl zu veröffentlichen. Beispielsweise präsentieren sich (besser qualifizierte) Arbeitnehmer zunehmend in beruflichen Netzwerken (z.B. "LinkedIn"), weil sie wissen, dass immer mehr Arbeitgeber dort nach neuen Mitarbeitern suchen.

Den Deutschen sind die meisten Trends bewusst

Im Januar 2014 befragte das Institut für Demoskopie Allensbach 1.515 Personen ab 16 Jahre, mit welchen Veränderungen sie in den nächsten 10 Jahren durch das Internet und digitale Technologien rechnen. Es meinten

  • 90%, dass die Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen für Werbezwecke weiter zunehmen wird.
  • 84%, dass Kinder noch mehr Zeit als heute mit Computerspielen verbringen werden.
  • 71%, dass das Einkaufen im Internet die normalen Geschäfte immer mehr verdrängen wird.
  • 69%, dass die Menschen sich damit abfinden werden, dass ihre persönlichen Daten im Internet nicht sicher sind.
  • 66%, dass Forscher und Wissenschaftler neue technische Möglichkeiten entwickeln werden, die besser vor Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen schützen.
  • 64%, dass das ständig verfügbare Informationsangebot im Internet dazu führen wird, dass die Menschen weniger lernen und nachdenken. ...
  • 51%, dass die mit dem Online-Handel einhergehenden Umweltbelastungen, z.B. durch mehr Verpackungsmüll, zu einem großen gesellschaftlichen Thema werden.
  • 51%, dass Kinder durch den Einsatz digitaler Technologien im Unterricht besser und schneller lernen werden.
  • 51%, dass Tauschseiten im Internet dazu führen werden, dass die Menschen mehr Gebrauchsgegenstände miteinander teilen werden, anstatt sie neu zu kaufen. ...
  • 48%, dass Studenten Vorlesungen fast ausschließlich über das Internet und nicht mehr im Hörsaal verfolgen werden. ...
  • 42%, dass die Allgemeinbildung der Menschen durch das jederzeit verfügbare Wissen im Internet zunehmen wird.
  • 39%, dass sich die meisten Paare über das Internet kennenlernen werden. ...

Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass sich die Menschen sowohl der Gefahren als auch der Chancen bewusst sind, die das Internet und die digitalen Technologien mit sich bringen. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, ob es der Wirtschaft und Politik - aber auch dem einzelnen Menschen - gelingt, die Risiken zu reduzieren und die Potenziale zu nutzen.

Anmerkung

Dieser Artikel wurde mehrfach ergänzt und aktualisiert.

Literaturauswahl

Andersen, M.H.: The world is my school: Welcome to the era of personalized learning. The Futurist 2011, 45 (1), S. 12-17

Bitkom: Angriffsziel deutsche Wirtschaft: mehr als 100 Milliarden Euro Schaden pro Jahr (06.11.2019). https://bitkom.de/Presse/Presseinformation/Angriffsziel-deutsche-Wirtschaft-mehr-100-Milliarden-Euro-Schaden-pro-Jahr (07.12.2019)

Brown, A.: Relationships, community, and identity in the new virtual society. The Futurist 2011, 45 (2), S. 29-31, 34

Institut für Demoskopie Allensbach: Umfrage: Die Zukunft der digitalen Gesellschaft. https://www.digital-ist.de/index.php?id=201 (04.08.2015; Mitte 2018 nicht mehr aufrufbar)

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