Martin R. Textor

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern!

Sicherlich haben Sie schon mehrmals in der Zeitung gelesen oder im Fernsehen gehört, dass in keinem anderen Industrieland die soziale Herkunft so entscheidend für den Schulerfolg ist wie in Deutschland: Kinder aus Akademikerfamilien haben z.B. laut der PISA-Studie von 2000 eine viermal größere Abiturchance als Kinder aus Facharbeiterfamilien. Dies wird weniger durch Unterschiede im Einkommen als durch solche im Bildungsstand bedingt. So ergab eine Analyse von Längsschnittdaten des Sozio-ökonomischen Panels durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass bei Eltern mit einem Hauptschulabschluss und einem hohen Haushaltseinkommen die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind das Gymnasium besucht, immer noch niedriger ist als bei einem Kind, dessen Eltern Abitur haben, aber nur wenig verdienen (SPIEGEL ONLINE vom 02.02.2005).

Diese in der Öffentlichkeit intensiv diskutierten Erkenntnisse waren für Wissenschaftler weniger überraschend. Schon seit den 1960er Jahren wurde anhand von Untersuchungen nachgewiesen, dass der Anteil der Schule am Schulerfolg von Kindern nur etwa halb so groß wie der Anteil der Familie ist. Inzwischen wurden Hunderte von Studien veröffentlicht, in denen ganz unterschiedliche Merkmale von Familien und Schulen in Bezug zur Schulleistung von Kindern erforscht wurden. In der Regel war die Effektstärke der Lernbedingungen in der Familie größer als die Effektstärke von Schulmerkmalen – aber auch als die Effektstärke von Kindmerkmalen. So können z.B. nach einem 1997 in der Enzyklopädie der Psychologie erschienenen Beitrag von Helmke und Weinert nur ca. 25% der Schulleistungsvarianz anhand der Intelligenz vorhergesagt werden. Das heißt, dass z.B. die Bedeutung der genetischen Ausstattung nicht überschätzt werden sollte.

Allerdings lässt sich über PISA 2003 bis PISA 2006 eine Abschwächung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland feststellen. Hierfür sind viele Erklärungen denkbar. Politiker verweisen hier gerne auf die eingeleiteten Schulreformen oder auf die Verbesserung der vorschulischen Bildung. Genauso gut könnte es aber auch daran liegen, dass der Einfluss von Akademikerfamilien auf den Schulerfolg ihrer Kinder geringer geworden ist, da sich diese immer länger in Kindertageseinrichtungen und Schulen – Mittagsbetreuung! – aufhalten und ihre Mütter immer häufiger (voll) erwerbstätig sind. Ein anderer Grund dafür könnte sein, dass weniger gebildete Eltern heute häufiger außerschulische Förderangebote für ihre Kinder nutzen als vor sechs Jahren. Der Bayerische Rundfunk berichtete 2007, dass 10 bis 15% der Grundschüler bereits Nachhilfe erhalten, und das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie geht davon aus, dass derzeit 1,2 Millionen Schüler privaten Zusatzunterricht bekommen, wofür ihre Eltern jährlich etwa 1,2 Milliarden Euro ausgeben (Dohmen et al. 2008).

Dennoch können wir weiterhin davon ausgehen, dass der Einfluss der Familie auf den Schulerfolg größer ist als der Einfluss der Schule oder als der Einfluss von Kindmerkmalen. Die Eltern sind nicht nur die ersten Lehrer ihrer Kinder, sondern sie beeinflussen auch am längsten und intensivsten von allen Lehrern deren Entwicklung. Sie bringen ihnen unglaublich viel bei – beispielsweise viele psychomotorische, soziale, affektive und sprachliche Kompetenzen. Da viele Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale und Haltungen in den Jahren vor der Einschulung erworben werden, kommen Kinder – selbst bei gleicher Intelligenzausstattung und Begabung – mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Grundschule. Der Schule gelingt es bisher nicht, diese Unterschiede weitgehend zu verringern. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Mit der Zahl der Schuljahre wird die „Leistungsschere“ zwischen den Schülern immer größer. Kinder aus „bildungsmächtigen“ Familien brillieren am Gymnasium; Kinder aus sehr „bildungsschwachen“ Familien versagen an der Hauptschule oder kommen in Förderschulen.

Was macht nun „bildungsstarke Familien“ aus? Es sind dies vor allem folgende Charakteristika:

  • eine qualitativ gute Kommunikation zwischen Eltern und Kindern (also auch bezogen auf Wortschatz, Begriffsverständnis, Komplexität von Sätzen usw.), häufige Gespräche, Ausdiskutieren unterschiedlicher Auffassungen,
  • Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse nach Geborgenheit, Wertschätzung und Liebe bei gleichzeitiger Unterstützung des Kindes bei der Erkundung der Welt und bei der Aufnahme sozialer Beziehungen (vor allem im Kleinkindalter),
  • die Ausstattung des Haushalts mit Büchern, Zeitschriften, Computern und Lernmaterialien,
  • das Vorbild der Eltern, die indirekt dem Kind verdeutlichen, dass Bildung wichtig ist und ihren Wert hat – z.B. indem sie sich intensiv mit Büchern und anderen Medien beschäftigen, viele kulturelle Aktivitäten wahrnehmen, aktiv Hobbys pflegen oder häufig (Tisch-) Gespräche über Fernsehfilme, Bücher, naturwissenschaftliche Themen oder politische Ereignisse führen,
  • eine familiale Lernkultur mit vielen kognitiven Anregungen durch die Eltern (z.B. Beschäftigung mit Lernspielen, Vorlesen, Experimentieren, Besuch von Büchereien und Museen),
  • eine positive Einstellung zu Lernen und Leistung, zu Kindertageseinrichtung, Schule und Berufsausbildung bzw. Studium,
  • motivierende Interaktionen über das, was in der Schule und im Unterricht passiert, Unterstützung bei den Hausaufgaben, ein hohes Anspruchsniveau hinsichtlich Schulleistung und -abschluss,
  • ein enger Kontakt zu Erzieherinnen bzw. Lehrkräften, damit die Eltern wissen, wie sie außerfamiliale Bildungs- und Erziehungsbemühungen zu Hause unterstützen können.

Bitte beachten Sie, dass eine „bildungsmächtige Familie“ von Vater und Mutter geprägt und gestaltet wird. Sie „kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. Wo das geschieht, tut das nachweislich jeder Einzelne von ihnen ausdauernder und intensiver. Diese Zuwendung von beiden Seiten tut den Kindern gut, auch hinsichtlich ihres schulischen Erfolgs. Kinder profitieren von Mutter und Vater in unterschiedlicher Weise. Ganz offensichtlich prägt das weibliche Element vor allem die sprachlichen Fähigkeiten, während die Art des Spielens von Männern andere geistige Bereiche fördert. Für Jungen ist die väterliche Zuwendung hinsichtlich der Schule ganz besonders bedeutsam. Wenn sie sie täglich intensiv erleben, erzielen sie häufiger gute Noten als ... Klassenkameraden, deren Väter sich weniger mit ihnen beschäftigen“, meint Detlef Träbert (2004, S. 136).

In vielen Familien sind jedoch die Mütter hauptverantwortlich für den Schulerfolg ihrer Kinder, da die Väter entweder beruflich so eingespannt sind, dass sie keine Zeit haben, oder als „neue Väter“ die Zeit mit ihren Kindern unbeschwert genießen und deshalb keine Forderungen durchsetzen wollen. Alleinerziehenden bleibt nichts anders übrig – und sie sind dabei überraschend erfolgreich: So ergab eine differenzierte Auswertung der PISA-Studien, dass Kinder Alleinerziehender genauso gute Schulleistungen wie Kinder aus Familien mit leiblichen Eltern erreichen, sofern Schulform und Sozialschicht kontrolliert werden (Fuhrer 2005). Paare können aber prinzipiell bei der Bildung und Erziehung ihrer Kinder kooperieren. So sollten sich Väter fragen, wie viel Zeit in der Woche sie mit ihren Kindern im Gespräch oder bei Freizeitaktivitäten verbringen, inwieweit sie erzieherisch tätig sind und die kognitive Entwicklung ihrer Kinder fördern und ob sie sich nicht (in Zukunft) die Zeit nehmen können, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu betreuen, deren Lehrer kennen zu lernen und zu Elternveranstaltungen zu gehen.

Vorschulkinder gezielt fördern

„Bildungsstarke“ Familien wirken, wie wir gesehen haben, auf den (späteren) Schulerfolg in erster Linie indirekt – durch die Atmosphäre, die Lernkultur und das Vorbild der Eltern. Jedoch können Kleinkinder auch direkt gefördert werden – in Kindertageseinrichtungen, in Musik- und Ballettschulen, in Sprachkursen und im Sportverein. Manche Kleinkinder haben schon einen richtigen Wochenplan, weil ihre Eltern so viele externe Bildungsangebote für sie ausgewählt haben. Das führt aber leicht zu einer Überforderung der Kinder, die Zeit für ein unbeschwertes Spiel, für spontane Kontakte zu anderen Kindern, zum Herumtollen und Entspannen vermissen. Außerdem werden sie in Institutionen, die sie neben dem Kindergarten besuchen, zumeist nur einseitig gefördert, also z.B. nur musikalisch oder nur motorisch.

Falls Sie Ihr Kind also von einem Angebot zum anderen bringen, beobachten Sie einmal, ob es sich in den verschiedenen „Sonderumwelten“ wirklich wohl fühlt und ob es oftmals nicht lieber zu Hause bleiben möchte. Und überlegen Sie, ob Sie Ihr Kind nicht daheim besser – d.h. ganzheitlicher – fördern könnten. Das „Verrückte“ ist nämlich, dass es im Familienalltag ganz viele Lernmöglichkeiten gibt, die Sie nur nutzen müssten und bei denen Ihnen keine Kosten entständen. Und noch „verrückter“ ist, dass Sie dafür nur ganz wenig mehr Zeit und Energie aufwenden müssten! Und die finden Sie schon, wenn Sie von Zeit zu Zeit den eigenen Zeitplan – und den Ihres Kindes – reflektieren und dabei nach „Zeitdieben“ suchen...

In der folgenden Tabelle finden Sie links Kompetenzen, die ein (Klein-) Kind benötigt, um in der Schule erfolgreich zu sein. In der rechten Spalte werden im Familienalltag anfallende Aktivitäten genannt, durch die ein drei- bis sechsjähriges Kind diese Kompetenzen erwerben kann (in Anlehnung an Dernick/Küstenmacher 2008). Sie müssen aber oft hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades variiert werden. Da die Tätigkeiten häufig im Familienalltag anfallen, kann durch die ständige Wiederholung der Lernerfolg gefestigt werden. Und selbst wenn die Kinder manchmal quengeln, so gilt doch Folgendes: „(Fast) alle Kinder im Vorschulalter sind froh und stolz, wenn sie den Erwachsenen helfen können und Erwachsenentätigkeiten ausführen dürfen“ (Dernick/Küstenmacher 2008, S. 10). Zusätzlich werden in der Tabelle eher klassische Aktivitäten mit Kindern aufgelistet, die eher unter „Spiel“, „Beschäftigung“ oder „Erziehung“ einzuordnen wären.

Kompetenzen Aktivitäten im Familienalltag
Feinmotorik (wichtig für das Erlernen des Schreibens, aber auch z.B. für den Kunst- und Werkunterricht)

mit dem Kind malen, sodass es die Stifthaltung der Erwachsenen nachahmen kann

Kind häufig zum Malen und Basteln anhalten (erlebt sich als kreativ und schaffend; bereitet Freude, wenn es Bilder verschenkt)

Brotschmieren

Abwaschen und Abtrocknen

Kochen und Backen (Schneiden, Reiben, Ausstechen...)

sich selbst Anziehen

Grobmotorik (wichtig für den Sportunterricht, aber auch für das Spielen auf dem Schulhof; gute Sportler erfahren mehr Anerkennung und gewinnen schneller Freunde)

Kinder beim Hausputz und Schneeräumen einbeziehen

Mithilfe bei der Gartenarbeit

Wege möglichst zu Fuß zurücklegen, mit spielerischen Elementen verbinden (nicht auf die Fugen zwischen den Platten treten, auf Mauern balancieren)

Schwimmen

gemeinsames Turnen/„Bodybuilding“ (falls Geräte im Haus)

Bergsteigen, Klettern, „Abenteuertage“ im Wald

mathematische Kompetenzen:

a) Seriation = Mengen und Längen vergleichen, Reihen fortsetzen, Gegenstände nach Eigenschaften sortieren können)

b) Rechenfähigkeit (Verbindung von Menge und Zahlwort, von Zahlwort und Zahlensymbol kennen; Schritt für Schritt zählen können; Vorgänger- und Nachfolger-Prinzip kennen)

c) räumliche Beziehungen, zeitliche Abfolgen und Richtungen kennen

a) gewaschene Socken sortieren, nach Besitzern sortieren, abzählen (10 Kindersocken bilden einen kleineren Stapel als 8 Erwachsenensocken: „mehr“ ist nicht gleich „größer“!)
Entfernungen schätzen („Wie viele Schritte bis...“)
Bauklötze nach Größe und Farbe sortieren
Mülltrennung

b) beim Treppensteigen Stufen zählen („ein Schritt vor – eine Zahl weiter“; Gefühl für Mengen: 3, 12, 20 Stufen), später rückwärts zählen
Abzählen der Finger, der Schritte, der (blauen) Autos usw.
Kartenspiele (mit aufgedruckten Zahlen)
kleine Summen im Geschäft bezahlen lassen
Taschengeld
Wählen von Telefonnummern
Würfelspiele

c) Tisch decken lassen
sich vom Kind auf dem Heimweg führen lassen
Abfolgen erfragen (z.B. „Was kommt zuerst in den Kochtopf bei...“)

sprachliche Kompetenzen (deutlich sprechen, eigene Gedanken formulieren, die Vergangenheitsform bilden können...) viel mit dem Kind reden: Sprache lernt man nur über das Sprechen
zuhören, wenn Kind etwas erzählen will
darauf achten, dass Kinder Gegenstände und Aktivitäten mit dem richtigen Wort bezeichnen und in vollständigen Sätzen sprechen
Fernsehkonsum beschränken, da sonst geringerer Wortschatz, schlechtere Grammatik, weniger Erzählfähigkeit
(offene) Fragen stellen, die längere Antworten verlangen
bei zu lauten Kindern Flüsterstunde; bei pausenlos sprechenden Kindern Schweigespiel (nur Zeichensprache erlaubt); bei sehr leise sprechenden Kindern laute Äußerungen sofort verstärken
Literacy (Fähigkeit, Texte und deren Sinn verstehen zu können; Kompetenz im Umgang mit der de-kontextu­alisierten und Schriftsprache; Erfahrungen mit der Lese- und Erzählkultur der jeweiligen Gesellschaft; Vertrautheit mit Literatur und anderen schriftbezogenen Medien, inkl. Internet; alphabetisches Prinzip kennen; phonologische Bewusstheit: Struktur von Sätzen und Wörtern/ Heraushören der Laute aus einem Wort) dialogorientierte Bilderbuchbetrachtung
Vorlesen/Erzählen von Geschichten, Märchen und Sagen
Kinder Geschichten erfinden lassen
Kinder frühzeitig mit der Schrift und dem Schreiben vertraut machen, indem man vor deren Augen etwas aufschreibt, etwas tippt, im Internet recherchiert, eine SMS eingibt usw.
mit Kindern Schrift entdecken (z.B. in Zeitungen oder Katalogen, auf Werbeplakaten oder auf Autokennzeichen)
Spiele mit Schreibszenen – wobei die Kinder durchaus Fantasieschriften verwenden oder etwas hinkritzeln dürfen
wenn Kinder ihren Namen schreiben lernen wollen, sollte dies unterstützt werden – das eigentliche Lesen- und Schreibenlernen sollte aber der Schule überlassen werden
Wörter mit denselben Anfangsbuchstaben suchen lassen
Reime, Zungenbrecher, Gedichte und Lieder lehren, Reime klatschen
musische/künstlerische Fähigkeiten gemeinsam singen, summen, Rhythmen klatschen
auf langen Autofahrten Liederkassette einlegen und mitsingen (beugt Übelkeit und Müdigkeit vor)
Hausmusik
gemeinsames Anhören von CDs, Konzertbesuche (open air)
Malen, Basteln, Tonen usw.; Anregungen sammeln durch Besuche von Museen und Ateliers
Gedächtnis/Wissen Wissensaneignung ermöglichen: geduldig die Fragen der Kinder beantworten, Dinge genau erklären
durch Gegenfragen das Kind anregen, über den Sachverhalt nachzudenken und selbst Antworten zu finden
Auswendiglernen von Liedern und Reimen
Merken der eigenen Adresse, von Telefonnummern usw.
Ausräumen der Spülmaschine
Aufträge erteilen
Memory spielen
Kindern einen breiten Erfahrungsraum ermöglichen: Naturerlebnisse, Besuche kultureller Einrichtungen, Ferien auf dem Bauernhof, Ausstattung des Haushalts mit Lupe/Mikroskop/ Fernglas usw.
Sammlungen anlegen
Fernsehen/Internet als Informationsquelle nutzen: öffnet neue Welten, vermittelt Wissen; möglichst über Inhalte mit Kind sprechen; (Bastel-, Experimentier-) Vorschläge aus Kindersendungen aufgreifen
Ausflüge/Reisen bilden: Landschaftstypen, Klimazonen, wichtige Gebäude, Architekturstile, Museen, Denkmäler
Konzentration (wichtig, um dem Unterricht folgen zu können) Kind in stark ablenkender Umgebung (z.B. Supermarkt) ein bzw. später mehrere Aufträge erteilen (z.B. „Hole ein Paket Butter, eine Schachtel Knäckebrot ...“)
Zahl der Spielsachen im Kinderzimmer reduzieren (und dafür häufiger einzelne Spielsachen austauschen)
Kind ermutigen, bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben, sodass es Ausdauer entwickelt
Problemlösekompetenz bei Problemen mit Kindern besprechen, wie diese gelöst werden könnten: Problem analysieren (was, wie, wo, warum ...?), in kleine, leicht zu bewältigende Aufgaben zerlegen, Prioritäten setzen, Informationen suchen, Brainstorming, Erprobung von möglichen Alternativen...
Ratespiele („Was wäre wenn ...?“), Detektivspiele, Bilder vergleichen, Puzzles (System entwickeln, wie man zunächst Puzzle-Teile ordnet)
Dinge zerlegen und wieder zusammenbauen, Gebrauchsanleitungen vorlesen und befolgen
Lern- und Leistungsmotivation eigene Erfahrungen und Erfolge ermöglichen: Kind entwickelt Erwartungshaltung „Hoffnung auf Erfolg“ (besser als „Angst vor Misserfolg“)
Gründe für Erfolge und Misserfolge möglichst in (mangelnder) Anstrengung suchen denn in Begabung/Intelligenz, Schwierigkeitsgrad der Aktivität oder Zufall (Glück/Pech): nur Anstrengung vom Kind selbst beeinflussbar
soziale Kompetenzen (Freundschaft und Anerkennung durch andere als Voraussetzung, sich in der Klasse wohl zu fühlen und sich auf das Lernen konzentrieren zu können) Vorbild der Eltern: soziale Kontakte pflegen, Konflikte verbal lösen, kompromissbereit sein
häufig Kinder einladen
Kind Erfahrungen in größeren Gruppen vermitteln (lernen, sich einzuordnen, sich gewaltfrei durchzusetzen, Konflikte zu lösen, fair zu sein, zu kooperieren, Aufgaben gemeinsam zu lösen)
Teamfähigkeit entwickeln durch Aufgabenteilung im Haushalt, gemeinsames Kochen, Planung von Festen usw.
Rollenspiele fördern, sich an diesen selbst beteiligen; Kind anhalten, sich in eine andere Person zu versetzen
Regelspiele (lernen, Regeln einzuhalten, abzuwarten und sich zurückzunehmen)
Selbständigkeit (Kind muss in der Schule alleine zurechtkommen) Kind so früh so viel wie möglich selbst machen lassen (Anziehen, Zähneputzen, Waschen usw.)
Kind Aufgaben (und damit Verantwortung) übertragen
Kind viel zutrauen (z.B. alleine zu Bäcker schicken, wenn ungefährlich)
Sekundärtugenden (erleichtern Anpassung an das System Schule und die Eingliederung in die Klassengemeinschaft, rufen positive Reaktionen bei Lehrern u.a. hervor) Vorbild der Eltern: anderen Menschen gegenüber höflich, freundlich, taktvoll, hilfsbereit, tolerant usw. sein; Zeitmanagement betreiben; das Kind ausreden lassen, sich bei ihm entschuldigen, wenn man einen Fehler gemacht hat
Kind zu Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnungsliebe, Fleiß, Ehrlichkeit usw. anhalten; gutes Benehmen einfordern
klare Strukturen zu Hause schaffen: feste Essens- und Schlafzeiten, Regeln, Verteilung von Aufgaben usw.
nicht alle Wünsche des Kindes erfüllen, sodass es Frustrationstoleranz entwickelt
Selbstbild und Selbstvertrauen machen Eltern ihrem Kind immer wieder bewusst, dass es besondere Stärken und Fähigkeiten hat, dass es etwas Neues gelernt hat und etwas Besonderes geleistet hat, dann kann es ein positives Selbstbild entwickeln sowie optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft schauen
negatives Feedback, Liebesentzug, destruktive Kritik, Beschämen usw. möglichst vermeiden; Kind wann immer gerechtfertigt loben
das Kind auch einmal um Hilfe bitten
Ansichten des Kindes respektieren
das Kind nicht überbehüten, sondern auch einmal Risiken eingehen und Fehler machen lassen; Misserfolge nicht überbetonen, sondern als Chance sehen, aus Fehlern zu lernen

Aber auch schon etwas ältere Kinder sollten nicht auf ihre Leistung reduziert werden, sondern als „ganze“ Person mit all ihren Stärken und Schwächen wahrgenommen und akzeptiert werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind genau beobachten und sich fragen: „Was für ein Typ ist eigentlich unsere Tochter/unser Sohn? Eher theoretisch oder eher praktisch ausgerichtet? Eher der geborene Führer oder der gute Freund? Eher fantasievoll oder eher realistisch? Eher sprachlich gewandt oder eher in sich gekehrt?“Bei aller bewusster oder unbewusster Förderung sollte aber immer bedacht werden, dass es im Leben nicht nur auf den Schulerfolg ankommt. Die Familie sollte insbesondere für Kleinkinder ein Platz sein, wo sie sich sicher und geborgen fühlen. „Die Eltern müssen ihre Kinder ihre Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung spüren lassen. Sie müssen ihnen ihr Interesse zeigen und Vertrauen und Zuversicht vermitteln“ (Schreiner 2006, S. 19). Nur so werden Bindungen ausgebildet und aufrecht erhalten, entstehen Urvertrauen und Selbstakzeptanz.

Diese Fragen helfen Ihnen, Ihr Kind als Individuum mit einzigartigen Charakteristika zu erkennen. Deshalb sollten Sie es auch möglichst nicht mit Geschwistern oder fremden Kindern vergleichen – Letzteres geschieht in Kindergarten und Schule schon früh genug. Schauen Sie lieber, wo seine besonderen Begabungen und Fähigkeiten liegen – viele werden von Eltern und Lehrern unterschätzt, können aber die Grundlage für den späteren Lebens- und Berufserfolg bilden.

Je häufiger und genauer Sie Ihr Kind beobachten, umso besser können Sie auch beurteilen, ob es „schulreif“ ist. Das Einschulungsalter wurde in den letzten Jahren heruntergesetzt, sodass nun auch Fünfjährige von der Grundschule aufgenommen werden. Dies macht es besonders wichtig, die körperliche, geistige, soziale und gefühlsmäßige Reife eines Kindes zu bewerten, bevor über seine Einschulung entschieden wird.

Da Eltern jedoch gerade bei Kleinkindern dazu tendieren, ihren eigenen „Sprössling“ besonders positiv zu beurteilen, sollten Sie auch die Meinungen anderer Personen einholen, die Ihr Kind gut kennen. Hier ist vor allem an seine Erzieherinnen zu denken, die nicht nur über mehr entwicklungspsychologisches Wissen als Sie verfügen und mehr Erfahrung mit Kleinkindern haben, sondern Ihr Kind auch mit vielen Gleichaltrigen vergleichen können.

Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule

Sicherlich erinnern Sie sich noch an den ersten bedeutenden Übergang im Leben Ihres Kindes – vom behüteten Schonraum Ihrer Familie in die laute Welt einer Kindertageseinrichtung. Die Eingewöhnung ist Ihrem Kind sicherlich nicht leicht gefallen; schließlich musste es Beziehungen zu fremden Erwachsenen und vielen ihm unbekannten Kindern aufbauen, die Räumlichkeiten erkunden und sich an einen neuen, stärker geregelten Tagesablauf gewöhnen. Sein bisheriges Leben änderte sich stark.

Nun fühlt sich Ihr Kind in der Tageseinrichtung wohl, mag seine Erzieherin und hat viele Freunde. Bald aber heißt es Abschied nehmen – und das wird Ihrem Kind nicht leicht fallen! Sicherlich wird so manche Träne fließen, insbesondere wenn geliebte Spielkameraden nicht in dieselbe Grundschule wechseln. Ihr Kind wird viel Trost und Zuwendung bedürfen.

Es steht also ein neuer, einschneidender Übergang an: von einer vertrauten Spielwelt in den Lernraum der Schule. Hier muss sich Ihr Kind an geregelte Unterrichtszeiten und damit an einen neuen Lebensrhythmus gewöhnen. Es lernt den Unterricht als eine neue Form des Lernens kennen, wo es still sitzen, zuhören, vorgegebene Aufträge erledigen, gehorchen, sich melden und Fragen der Lehrerin beantworten muss. Bald wird es mit ersten Leistungsanforderungen konfrontiert werden. Bei Paar- und Kleingruppenarbeit muss es eventuell mit Kindern ein Team bilden, die es nicht mag. Auch bekommt es Hausaufgaben als eine von ihm eigenverantwortlich zu erledigende Arbeit übertragen.

Trotz allem Abschiedsschmerz freuen sich die weitaus meisten Kinder darauf, endlich ein Schulkind zu werden. Sie sind neugierig und unvoreingenommen, gespannt und erwartungsvoll, interessiert und wissbegierig, wollen endlich das Lesen und Schreiben lernen. Aber natürlich haben sie auch etwas Angst vor der Schule, der Lehrerin, den fremden Räumlichkeiten und den anderen Kindern.

Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sind gesetzlich verpflichtet, den Kindern den Übergang zu erleichtern, indem z.B. in den Kindergartengruppen über die Schule gesprochen wird, relevante Bilderbücher betrachtet werden, die so genannten „Schulanfänger“ eine Schule besuchen und eventuell sogar schon an einer Unterrichtsstunde teilnehmen. Oft lernen die Kinder bereits ihre zukünftige Lehrerin kennen.

Aber auch Sie als Eltern können etwas dazu beitragen, dass Ihrem Kind der Übergang leichter fällt. Ganz wichtig ist, dass Sie nicht negativ über die Schule sprechen, selbst wenn Sie viele schlechte Erfahrungen während Ihrer Schulzeit gemacht haben sollten. Drohen Sie auch nicht mit der Schule: „Dann beginnt der Ernst des Lebens“! Besser ist es, dem Kind die Schule als etwas Notwendiges, Sinnvolles und Erfreuliches zu vermitteln, wo es viel lernen, Spaß haben und neue Freunde finden wird. Geben Sie ihm eventuell an den ersten Schultagen ein Kuscheltier mit, das ihm Mut machen wird, wenn es ängstlich oder unsicher ist.

Sinnvoll ist es auch, mit dem Kind seinen späteren Schulweg zu erkunden. Falls mehrere Kinder denselben Weg haben, können sich einige Zeit nach der Einschulung die Eltern bei der Begleitung abwechseln. Nach etwa einem halben Jahr können die Kinder alleine gehen, sofern der Schulweg relativ kurz und ungefährlich ist. Das Fahrrad sollte aber erst nach der theoretischen und praktischen Fahrradprüfung in der 4. Klasse verwendet werden.

Das Lernen während der Grundschulzeit fördern

Auch nach der Einschulung ist Ihr Kind weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen: Zum einen können Sie ihn gezielt beim Erwerb schulischer Lerninhalte, zum anderen allgemein in seiner Entwicklung fördern, wobei die Übergänge fließend sind.

1. Beim schulischen Lernen helfen

Wie bereits erwähnt, sollten Sie prinzipiell Ihrem Kind gegenüber eine positive Haltung gegenüber der Schule einnehmen – selbst wenn Sie in Ihrer eigenen Schulzeit viele negative Erfahrungen gemacht haben oder der Schule von heute kritisch gegenüber eingestellt sind. Ihr Kind kann so unvoreingenommen seine Schullaufbahn beginnen. Deshalb sollten Sie ihm auch nie Fragen stellen, die Negatives implizieren, also z.B. „Heute war es sicherlich wieder langweilig in der Schule, oder?“ bzw. „Du hast doch sicherlich wieder nicht aufgepasst!?“

Wichtig ist auch, dass Sie Interesse an den Erfahrungen Ihres Kindes in der Schule und an den Lerninhalten zeigen. Aber sicherlich erinnern Sie sich noch daran, wie oft Ihr Kind Ihnen eine Antwort schuldig geblieben ist, wenn Sie es fragten „Wie war es denn heute im Kindergarten?“ Ähnlich frustrierend wird es für Sie sein, wenn Sie nun fragen „War es schön in der Schule?“ und als Antwort hören „Ja“ oder „Nein“. Besser ist es, offene Fragen zu stellen: „Was war heute am Spannendsten in der Schule?“

Durch Ihr Interesse an der Schule können Sie auch das Verhalten Ihres Kindes im Unterricht beeinflussen. Ein Schulanfänger muss schließlich erst lernen, genau hinzuhören, den Ausführungen der Lehrerin gedanklich zu folgen, sich zu melden und zu akzeptieren, dass es meistens nicht dran kommt. So können Sie Ihr Kind motivieren, sich in jeder Stunde so oft zu melden, bis es mindestens einmal aufgerufen wurde. Auf diese Weise fördern Sie Konzentration und Selbstüberwindung. Ferner sollte es immer nachfragen, wenn es etwas nicht verstanden hat.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind aber auch über seine Klassenkameraden, seine Beziehung zu ihnen, besondere Ereignisse in der Klassengemeinschaft, Konflikte usw. Auf diese Weise zeigen Sie Interesse an seinen sozialen Erfahrungen und Erlebnissen. Schließlich ist für das Lernen bzw. für die weitere Entwicklung Ihres Kindes auch wichtig, wie es mit seinen Klassenkameraden zu Recht kommt bzw. inwieweit es soziale Kompetenzen ausbildet.

Lesen und Schreiben sind wichtige Kulturtechniken, von deren Beherrschung der weitere Schulweg Ihres Kindes abhängt. Natürlich erlernt Ihr Kind diese Fertigkeiten in der Schule, aber Sie können einiges dafür tun, dass Ihr Kind hier wirklich gut wird. Nehmen wir das Lesen: Wenn Sie in der frühen Kindheit bereits Literacy-Erziehung betrieben haben (s.o.), wird Ihr Kind schon Freude an (Bilder-) Büchern entwickelt haben. Nun gilt es, dieses Interesse auf Kinderbücher zu übertragen: Lesen lernt man nämlich am besten durch viel Lesen! Fordern Sie Ihr Kind gelegentlich auf, laut zu lesen, denn dann liest es konzentrierter. Lassen Sie sich auch einmal aus einem (Kinder-) Buch vorlesen und sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Text. Das zeigt Ihr Interesse und bestärkt Ihr Kind.

Da Kinderbücher teuer, aber schnell ausgelesen sind, sollten Sie sich zu Hause auf einige wenige Exemplare beschränken. Geben Sie Ihr Geld lieber für Kinderlexika, Nachschlagewerke, Wörterbücher, einen Atlas oder einen Globus aus. Kinderbücher können Sie dann gemeinsam mit Ihrem Kind in einer Bücherei ausleihen – hier findet es eine große Auswahl vor. Selbst wenn es sich nur für ein Thema – z.B. Raubkatzen – interessiert, ist dies okay: Schließlich kommt es jetzt vor allem darauf an, dass es viel liest. Und leihen Sie auch selbst Bücher aus!

Beim Erlernen der Rechtschreibung ist eine positive Grundhaltung der Eltern wichtig: „Wenn Ihr Kind ein Wort falsch schreibt, schauen Sie sich zuerst die Teile an, die es richtig geschrieben hat, und dann die Teile, bei denen es dieses Mal Fehler gemacht hat. Bestärken Sie Ihr Kind darin, dass es die richtige Schreibweise lernen kann und dass der Fehler nur ein vorübergehender 'Rückschlag' war. Loben Sie es für die Buchstaben, die es richtig geschrieben hat“ (Burnett/Jarvis 2005, S. 127). Hilfreich ist auch, mit dem Kind Wörter zu suchen, die eine ähnliche Buchstabenfolge enthalten wie die zuvor falsch geschriebene. Hatte z.B. ein Kind mit dem „tz“ in „Matratze“ Probleme, suchen Sie mit ihm nach „Katze“, „Schatz“, „Spatz“ usw. So bildet Ihr Kind Assoziationen, erinnert es sich das nächste Mal an die richtige Schreibweise. Längere Wörter können auch gemeinsam analysiert werden: Wie viele Wörter sind z.B. in „Sicherheitsnadel“ versteckt?

Ferner können Sie Ihr Kind anhalten, auch Schreibanlässe zu nutzen, die mit der Schule nichts zu tun haben. Schon am Ende der ersten Klasse können Kinder schon kurze Briefe an Freunde und Verwandte verfassen. Manche werden auch stolz sein, wenn sie z.B. die Einkaufsliste, eine SMS oder eine Notiz an den Vater schreiben dürfen.

Neben den Kulturtechniken müssen sich Schulkinder auch Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen. Hier können Sie Ihrem Kind am besten helfen, wenn Sie zunächst seinen Lernstil ermitteln. Laut Garry Burnett und Kay Jarvis (2005) können 20 von 30 Kindern einer Grundschulklasse Informationen visuell, auditiv und kinästhetisch aufnehmen, 6 oder 7 Kinder bevorzugen deutlich einen der drei Lernstile, 2 bis 3 Kinder haben mit allen drei Lernstilen Probleme. Im späteren Verlauf der Schulzeit mag ein Kind aus der erstgenannten Gruppe auch einen Lernstil bevorzugen, weil er mit ihm besonders positive Erfahrungen gemacht hat.

Prinzipiell tun sich Kinder in der Schule leichter, wenn sie alle drei Lernstile beherrschen, da sich unterschiedliche Aufgaben mit verschiedenen Lernstilen am besten bewältigen lassen – z.B. die Rechtschreibung mit dem visuellen oder sportliche Aktivitäten mit dem kinästhetischen. Bevorzugt Ihr Kind also einen bestimmten Lernstil, sollten Sie es entweder an die anderen beiden heranführen oder ihm helfen, seinen Stil bestmöglich zu nutzen: Ein überwiegend auditiv Lernender profitiert z.B. davon, wenn er zu lernende Texte laut liest, sich vorlesen lässt oder auf Kassette aufnimmt und dann abspielt. So werden wichtige Aussagen seltener überlesen, prägt sich der Text besser ein. Ein visuell Lernender lernt vor allem durch Lesen, wobei verschieden farbige Textmarker hilfreich sein können. Aber auch Videos, Fotos, Poster, Websites usw. sind nützlich. Kinästhetisch Lernende tun sich am schwersten, da sie ihre Stärken in der Schule nur in Fächern wie Sport, Werken oder Kunst ausspielen können. Sie profitieren vom Basteln von Modellen, vom Experimentieren oder vom Besuch an Orten, die mit Lerninhalten in Bezug stehen – z.B. von einem Bauernhof, einer Burg oder einem Museum.

Wichtig ist auch, dass Kinder das Lernen lernen, also wissen, wie man sich selbst Kenntnisse aneignet. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie einzelne Fragen Ihres Kindes nicht beantworten, sondern es bei der Suche nach Antworten anleiten. So können Sie mit ihm in Kinder- und Erwachsenenlexika, in Büchern oder im Internet recherchieren. Vieles lässt sich auch durch Beobachtung oder mit Hilfe von Experimenten herausfinden.

Schulanfänger sind stolz darauf, wenn sie etwas Neues gelernt haben. Bestärken Sie Ihr Kind darin, wenn es z.B. bei den Großeltern oder bei Nachbarn mit seinen frisch erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten „glänzen“ will. Zudem entwickeln sich dann oft weitergehende Gespräche, in denen Ihr Kind seinen Horizont erweitert, von den Erfahrungen der Gesprächspartner profitiert sowie kommunikative und soziale Kompetenzen schult.

Ein Kind lernt besser, wenn die Informationsaufnahme mit positiven Gefühlen verbunden ist, wenn es also z.B. beim Lernen ein Lob oder ein Anlächeln erfährt. Denken Sie einmal zurück: Wie viel Aufmerksamkeit und Zuwendung haben Sie Ihrem Kind geschenkt, als es das Krabbeln oder Gehen lernte oder als es die ersten Worte sagte? Und wie häufig loben Sie es heute? Schimpfen Sie vielleicht sogar mehr mit ihm?

Und wie loben Sie richtig? Kurt Schreiner (2006) gibt hier folgende Tipps:

  • „Lob sollte situationsgerecht vergeben werden. Es orientiert sich am Leistungsvermögen und am Leistungswillen des Kindes“ (S. 60).
  • „Lobenswert ist, wenn sich ein Kind – unabhängig vom Erfolg – erkennbar bemüht...“ (S. 60).
  • „Die erfolgreich abgeschlossene Arbeit verdient Lob. Dabei sind besondere Anstrengungen, besondere Einfälle, auch zusätzliches Bemühen hervorzuheben...“ (S. 61).
  • „Auch Teilergebnisse verdienen Lob, wenn das Kind Schwierigkeiten hat, aus zeitlichen oder intellektuellen Gründen mit einer Aufgabe zurechtzukommen“ (S. 61).

Und Detlef Träbert (2004) ergänzt, dass Eltern viel loben sollen – insbesondere ein misserfolgsängstliches Kind könne man nicht zu viel loben. Dasselbe gelte, wenn es auf einem Gebiet unsicher sei. Auch Träbert plädiert dafür, in erster Linie die Anstrengung und nicht das Ergebnis zu loben – Erfolge würden schließlich aufgrund der aufgebrachten Mühe zustande kommen und deshalb müsse diese gewürdigt werden.

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, wird das Lernen auch gefördert, wenn das Kind vitamin-, mineral- und ballaststoffreich ernährt wird, sich oft an der frischen Luft bewegt und ausreichend Schlaf bekommt. Die meisten Schulanfänger benötigen noch zwischen 10 und 12 Stunden Schlaf. Empfehlenswert ist, wenn die Kinder zumindest vor Schultagen zur gleichen Uhrzeit schlafen gehen und pünktlich aufstehen, sodass morgens keine Hektik entsteht. Es sollte immer genügend Zeit für ein gesundes Frühstück vorhanden sein. Empfehlenswert sind vor allem Vollkornprodukte, Milch, Joghurt, Obst, Gemüse sowie magere Wurst- und Käsesorten – auch für das Pausenbrot.

In diesem Zusammenhang ist erneut zu betonen, dass Eltern ihre Kinder nicht überfordern dürfen. Fühlen sich diese dauernd unter Druck gesetzt und stoßen sie ständig an ihre Grenzen, verlieren sie mit der Zeit die Lust am Lernen und jegliche Leistungsmotivation. Manche Kinder verheimlichen dann schlechte Leistungen gegenüber ihren Eltern, belügen sie, entziehen sich den Anforderungen – bis hin zum Schulschwänzen – oder entwickeln psychosomatische Symptome wie Bauchschmerzen, Kopfweh oder Schlaflosigkeit. Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder – sie sollen möglichst das Abitur machen, studieren und Erfolg im Beruf haben, aber sie sollen auch glücklich und zufrieden sein. Jedoch erreicht laut Detlef Träbert (2004) etwa die Hälfte aller Schüler nicht den von ihren Eltern gewünschten Schulabschluss. Untersuchungen würden zeigen, dass dann die Eltern generell weniger zufrieden mit ihrem Kind, aber auch mit ihrem eigenen Leben, dem bisher Erreichten und den eigenen Zukunftsaussichten seien. Insbesondere viele Mütter würden sich als Versager fühlen und Schuldgefühle entwickeln. Zudem würden die unerfüllten Erwartungen auf das Familienklima ausstrahlen: Es gäbe nicht nur mehr Eltern-Kind-, sondern auch mehr Partnerkonflikte: Die Eltern würden sich wechselseitig für das Versagen ihres Kindes verantwortlich machen.

Es ist somit wichtig, dass Sie sich ein realistisches Bild von Ihrem Kind, von seinen Stärken und Schwächen, von seinen Begabungen und von seiner Leistungsfähigkeit machen. Und dann müssen Sie sich oft von Ihren Träumen – was aus dem Kind einmal werden soll – distanzieren. Oft entdecken Sie danach ganz neue Qualitäten an Ihrem Kind, z.B. musische, handwerkliche, soziale oder sportliche Begabungen. Erst wenn Sie Ihr Kind so annehmen, wie es ist, können Sie es von dort abholen werden, wo es steht!

Zur Vermeidung einer Überforderung von Grundschulkindern gehört auch, dass sie genügend Zeit zur Entspannung, für Hobbys, zur Bewegung im Freien, für Sport und zum Spiel mit Freunden haben. So sollte zum einen die in ihre Freizeit fallende Zahl von Terminen und zum anderen die Fernseh- bzw. Medienzeit begrenzt sein. Das Fernsehen sollte nicht etwas Selbstverständliches sein, sondern z.B. als Belohnung eingesetzt werden. Auch empfiehlt es sich, Sendungen bewusst auszuwählen, gelegentlich gemeinsam mit dem Kind anzuschauen und dann mit ihm darüber zu sprechen. Insbesondere schüchterne Kinder sollten immer wieder dazu animiert werden, Spielkameraden zu besuchen bzw. Schulfreunde nach Hause einzuladen.

2. Zur allgemeinen Förderung des Kindes

Viele der schon genannten bzw. in der Tabelle aufgelisteten Aktivitäten können Sie auch während der Grundschulzeit nutzen, um die Entwicklung Ihres Kindes ganzheitlich zu fördern. So ist es weiterhin sehr wichtig, dass Sie Ihrem Kind helfen, ein positives Selbstbild, Selbstvertrauen, Lernfreude und Leistungsmotivation auszubilden. So sollte Ihr Kind viel Anerkennung, Lob und positive Verstärkung erfahren – auf materielle Belohnungen wie Süßigkeiten oder Geldgeschenke sollte hingegen weitgehend verzichtet werden.

Selbstverständlich müssen Sie ein Schulkind nicht so häufig positiv verstärken wie ein Kleinkind – es gehört einerseits zum Prozess des Älterwerdens und der Ablösung, dass Kinder immer weniger Wert auf das Lob ihrer Eltern legen, und andererseits sollten intrinsische – also aus dem Kind selbst kommende – Motivationen immer mehr extrinsische Beweggründe ersetzen. Aber Sie müssen auch verhindern, dass Ihr Kind aufgrund von zu viel negativem Feedback an Selbstbewusstsein verliert und sich aufgrund von Ängsten neuen Anforderungen entzieht. Tadel ist nur dann angebracht, wenn Ihr Kind fahrlässig oder schuldhaft falsch handelt. Dabei sollte die Kritik immer auf den Anlass und nicht auf die Person bezogen werden – also nicht „Ich habe schon immer gewusst, dass du sportlich nichts drauf hast“, sondern „Wenn du mehr trainiert hättest...“ oder ganz konstruktiv „Lass uns am Wochenende Fußball spielen, dann kann ich dir noch einige Tricks zeigen!“. Auch sollte der Tadel nicht aggressiv oder überreagierend vorgetragen werden. Jedoch können Sie durchaus Ihre persönliche Betroffenheit deutlich machen: „Ich bin traurig, weil...“. Keinesfalls darf ein Fehler oder ein Misserfolg aber mit Liebesentzug bestraft werden!

Hier wird deutlich, dass nach der Einschulung das elterliche Interesse am Kind nicht auf das schulische Lernen verengt werden darf. Vielmehr benötigt Ihr Kind Zuwendung in allen Lebenssituationen – und zunächst auch noch Zärtlichkeit, Schmusen und Kuscheln. Es muss sich als ganze Person geliebt und in seiner Familie geborgen fühlen.

Ihr Kind sollte auch an sich selbst glauben – und daran, dass es alles, was es erreichen will, auch erreichen kann. Selbst wenn ein Grundschulkind unrealistische Vorstellungen verfolgt – z.B. ein großer Fußballstar werden möchte –, sollte es nicht desillusioniert werden: Es wird bald selbst merken, wo seine Grenzen liegen. Nun aber wird es sich sportlich engagieren – und sein Gehirn trainieren, indem es die Namen von Fußballspielern, deren besonderen Qualitäten, die Spielergebnisse u.v.a.m. lernt.

In diesem Kontext ist es auch wichtig, dass Ihr Kind lernt, mit Misserfolgen umzugehen. „Sie sollten Ihrem Kind vermitteln, dass man – egal welches Fach oder welche Fähigkeit man erlernen möchte (sei es Mathe, Fußball oder Gitarrespielen) – immer wieder Schwierigkeiten überwinden muss“ (Burnett/Jarvis 2005, S. 26). Anstatt die Einstellung „Man kann unmöglich alles können!“ zu entwickeln, sollte es im Misserfolg eine Chance sehen, aus seinen Fehlern lernen, andere Methoden einsetzen oder einen neuen Lösungsweg ausprobieren zu können. Laut Vera F. Birkenbihl empfiehlt sich, folgende Haltung zu verinnerlichen: „Erfolge ohne Misserfolge und Leistung ohne Fehler, das ist wie Tage ohne Nächte und Berge ohne Täler!“ (zitiert nach Träbert 2004, S. 79).

Hausaufgaben – kein Problem!

Sicherlich haben Sie sich schon gefragt, wieso ich bisher nicht auf die Hausaufgaben eingegangen bin. Ich wollte Ihnen zunächst verdeutlichen, dass viele andere Faktoren für den Schulerfolg wichtiger sind: das Vorbild der Eltern, die „Bildungsmacht“ der Familie, die Lernfreude, Leistungsmotivation und Ausdauer des Kindes, sein Selbstbild und sein Selbstvertrauen, seine Begabungen und seine Intelligenz. Bevor ich nun direkt auf die Hausaufgaben eingehe, möchte ich zunächst noch einige allgemeine Vorbemerkungen machen.

1. Die passende Lernumgebung

Wenn Ihr Kind in die Grundschule kommt, braucht es zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz. Dieser muss nicht im Kinderzimmer sein; es kann sich z.B. auch um einen Ess- oder Küchentisch handeln. Wichtig ist, dass auf dem Tisch keine Spielsachen liegen, sondern nur Schulbücher und Arbeitsmaterialien. Dies signalisiert: „Hier werden jetzt die Hausaufgaben gemacht!“. Auch sollte Ihr Kind an seinem Arbeitsplatz nicht dauerhaft abgelenkt werden, z.B. durch den Blick auf eine stark begangene Straße oder einen Spielplatz. Ansonsten sollten natürlich auch Ablenkungen durch kleine Geschwister, Haustiere, Lärm in Nachbarräumen, laute Musik oder Fernseher vermieden werden. Leise Entspannungsmusik, manchmal auch klassische Musik, fördert hingegen bei manchen Kindern die Konzentration.

Ideal ist, wenn Tisch und Stuhl verstellbar sind. Der Tisch sollte so hoch sein, dass sich die Ellbogen beim Schreiben in gleicher Höhe wie die Tischplatte befinden; diese sollte sich zum Lesen auch schräg stellen lassen. Auf dem Stuhl sitzt ein Kind richtig, wenn die Knie bei fest auf dem Boden gestellten Füßen einen rechten Winkel bilden. Der Arbeitsplatz sollte gut beleuchtet sein, wobei das Licht möglichst schräg von vorne kommen sollte.

Vor den Hausaufgaben sollte der Raum gut gelüftet werden. Dann steht dem Gehirn mehr Sauerstoff zur Verfügung. Es lernt sich auch besser, wenn Ihr Kind dabei viel trinkt, wobei (Leitungs-, Mineral-) Wasser besonders empfehlenswert ist. Zu Beginn der Hausaufgaben sollte es weder hungrig noch müde sein, weder frieren noch sich über etwas ärgern.

2. Das Erledigen der Hausaufgaben

Die weitaus meisten Grundschüler machen zunächst gerne ihre Hausaufgaben – und sei es auch nur, weil sie ihre Lehrerin lieben und alles tun würden, um von ihr etwas Anerkennung zu erfahren. Das Lernen macht ihnen Spaß; sie sind stolz, wenn sie ihre Hausaufgaben zu ihrer eigenen Zufriedenheit erledigt haben.

Eigentlich sollten Grundschüler die Hausaufgaben alleine machen. So steht z.B. im Bayerischen Lehrplan für Grundschulen: „In altersangemessenem Umfang und Anspruch dienen Hausaufgaben der Vor- oder Nachbereitung des Unterrichts. Sie stehen in sinnvoller Beziehung zum aktuellen Unterrichtsthema und sollen von den Schülern im Allgemeinen ohne fremde Hilfe bewältigt werden können.“ In der Realität kümmern sich aber nahezu alle Eltern um die Hausaufgaben ihrer Kinder, und zwar 50% täglich und 40% häufig. Nur 10% aller Grundschüler fertigen ihre Hausaufgaben stets selbständig an (Träbert 2004). Je älter die Kinder werden, umso häufiger kommt es zu Konflikten mit den Eltern wegen der Hausaufgaben – oder zu Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Vater. Dies trifft auf rund 40% aller Familien mit Schulkindern zu (a.a.O.).

Hausaufgaben und das Lernen vor Prüfungen können somit das Eltern-Kind-Verhältnis und das Familienklima stark belasten. Deshalb empfiehlt Detlef Träbert (2004): „Selbständiges Lernen und Arbeiten ist ein wichtiges Entwicklungsziel für Kinder. ... Starke Eltern lassen dem Kind also die Verantwortung für seine Hausaufgaben. Sie wissen, dass es nicht in erster Linie auf das Ergebnis ankommt, auf das Schriftbild oder die Fehlerfreiheit. Sie verstehen, dass der Prozess des Aufgabenlösens entscheidend ist, denn dabei entstehen die Aha-Erlebnisse und Einsichten, die wirkliches Lernen ausmachen“ (S. 53). Sitzen Eltern hingegen bei den Hausaufgaben neben dem Kind und helfen ihm fortwährend, wird diesem die Verantwortung für das Lernen abgenommen, bleibe es unselbständig. Oder es macht den Eltern etwas nach, ohne es wirklich verstanden zu haben, und versagt dann bei ähnlichen Aufgaben in der Schule, weil es mit dem Transfer nicht klappt.

Wichtig ist aber, dass Erstklässler zunächst einmal lernen, wie man Hausaufgaben richtig macht. Sinnvoll ist, wenn Sie zunächst einmal die beste Zeit dafür ausfindig machen – wann Ihr Kind besonders aufnahmefähig ist: „Manche Kinder machen ihre Hausaufgaben am liebsten, wenn sie gerade aus der Schule gekommen und gedanklich noch aufs Lernen konzentriert sind. Für andere sind Hausaufgaben das Letzte, das sie tun möchten, wenn sie nach Hause kommen, weil sie sich erst einmal abreagieren müssen“ (Burnett/Jarvis 2005, S. 42). Keinesfalls sollten die Hausaufgaben so lange in den Abend hineingeschoben werden, bis sie schließlich unter Zeitdruck erledigt werden müssen oder als Entschuldigung für ein längeres Aufbleiben dienen.

Bei der einmal herausgefundenen optimalen Zeit sollte es möglichst bleiben, denn die wenigsten Konflikte entstehen, wenn Hausaufgaben nach Plan gemacht werden. Sinnvoll ist oft auch, sie nach einem Ritual durchzuführen: Zunächst stimmt sich Ihr Kind ein, indem es z.B. den Arbeitsplatz herrichtet oder etwas Entspannungsmusik hört. Dann plant es, in welcher Reihenfolge es die anstehenden Aufgaben erledigen will. Dabei sollte es möglichst nicht mit dem Schwierigsten anfangen, sondern mit dem, was ihm am meisten liegt. Auf diese Weise hat es schon schnell ein erstes Erfolgserlebnis. Sind alle Aufgaben fertiggestellt, wird die Schultasche für den nächsten Tag gepackt. Dies signalisiert „Arbeitsende!“.

In den ersten beiden Grundschulklassen sollten die Hausaufgaben rund 30 Minuten beanspruchen. Da sich Schulanfänger selten länger als 15 bis 20 Minuten voll konzentrieren können, empfiehlt sich zwischendrin eine kurze Pause. Ihr Kind kann z.B. dann das Fenster aufmachen, in die Küche gehen, ein Glas Wasser trinken und anschließend wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Und wo bleiben nun Sie als Eltern? Empfehlenswert ist, wenn Sie sich in der Nähe des lernenden Kindes aufhält, sodass Sie bei Problemen mit den Hausaufgaben gefragt werden können. Zunächst sollten Sie die Motive für die Frage klären: Hat Ihr Kind keine Lust zu lernen? Ist es zu faul, sich mit der Anforderung auseinander zu setzen? Glaubt es, dass es die Aufgaben nicht bewältigen kann, und versucht es deshalb erst gar nicht? Hat es schon beim ersten Widerstand aufgegeben? Je nach Antwort gestaltet sich das weitere Vorgehen: So können Sie Ihr Kind ermutigen und Zuversicht zeigen: „Ich glaube, dass du das kannst! Versuche es noch einmal!“ Oder Sie können sich die Aufgabenstellung von Ihrem Kind erläutern lassen – oft wird diese dann dem Kind klar, entdeckt es dabei die Lösung. Ferner können Sie Ihr Kind fragen, wie die Lehrerin die Aufgabe in der Schule erklärt hat und ob es etwas aufgeschrieben hat. Auch beim Nachforschen im Gedächtnis oder im Schulheft kann oft eine Lösung gefunden werden. Das Prinzip ist hier immer „Hilf mir, es selbst zu tun!“ (Maria Montessori).

Kann eine Aufgabe wirklich nicht bewältigt werden, sollten Sie eine Notiz ins Hausaufgabenheft schreiben und darin die Lehrerin bitten, den Sachverhalt nochmals zu erklären. Sonst schätzt diese den Lernfortschritt ihrer Schüler zu hoch ein und steigert die Anforderungen. Eine solche Vorgehensweise ist besser, als wenn Sie dem Kind die Lösung sagt, weil dieses verwirrt werden kann, wenn Sie etwas anders erklären als die Lehrerin.

Nur im Ausnahmefall sollten Sie also bei den Hausaufgaben helfen – Sie sind keine Hilfslehrer. Jedoch können Sie sich die erledigten Arbeiten zeigen lassen – und sollten dann nicht mit Lob geizen, sofern dieses gerechtfertigt ist. Zudem zeigt dem Kind Ihr Interesse an seinen Hausaufgaben, dass Sie Wert auf seine schulischen Leistungen legen und diese würdigen.

Es ist sinnvoll, gelegentlich Ihr Kind für das Erledigen der Hausaufgaben zu belohnen – nicht mit Geld oder Süßigkeiten, sondern z.B. durch ein anschließendes gemeinsames Spiel. Das verhindert auch, dass Ihr Kind um Hilfe bei den Hausaufgaben bittet, weil es das Gefühl hat, Sie würden ihm nicht genügend Aufmerksamkeit und Zuwendung widmen; „besonders häufig ist diese 'erlernte Hilflosigkeit' im Zusammenhang mit kleineren Geschwistern zu beobachten. Vereinbarte Zuwendung im Freizeitbereich (Spieleabend, Vorlesen, Radtour mit Papa...) kann Abhilfe schaffen. Manchen Eltern fällt es auch unbewusst schwer, Selbständigkeit zuzugestehen, weil sie ihren eigenen Selbstwert, ihren Lebenssinn aus der Fürsorge für das Kind schöpfen...“ (Träbert 2004, S. 87).

Der Kontakt zur Lehrerin

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, wie wichtig die Beziehung zwischen Lehrern und Eltern ist. Hier müssen Sie sich zunächst einmal verdeutlichen, dass Ihr Kind kein Recht auf den besten Lehrer hat. Die Kollegien enthalten eine bunte Mischung von Lehrern mit unterschiedlichen Charakteren, verschiedenen Unterrichts- und Erziehungsstilen sowie mehr oder weniger Engagement. Nur bei ganz groben Verstößen kann ein Lehrer versetzt oder gar entlassen werden. Sie müssen also die Lehrerin akzeptieren, die Ihr Kind bekommen hat, selbst wenn Sie sie für unfähig halten. Und Sie müssen auch akzeptieren, dass Ihr Kind nach kurzer Zeit für sie schwärmen und für die beste Lehrerin der Welt halten wird. Ihr Kind wird Sie nicht verstehen, wenn Sie die Lehrerin schlecht machen, und wird dann in Loyalitätskonflikte geraten. Vermeiden Sie also kritische Äußerungen vor Ihrem Kind!

Bedenken Sie ferner, dass die Lehrerin mit rund 30 Kindern in der Klasse alleine ist – im Kindergarten gab es zwei Fachkräfte pro Gruppe, die zudem kleiner war. Und aufgrund des Vorverlegens des Einschulungstermins hat die Lehrerin Kinder in ihrer Klasse, die in ihrer Entwicklung um drei, manchmal sogar um vier Jahre auseinander liegen. Manche Kinder können bei der Einschulung bereits lesen und schreiben, andere sind der deutschen Sprache nicht mächtig. Zudem ist rund ein Viertel der Kinder verhaltensauffällig. Die Lehrerin hat es also nicht leicht – sie verdient Ihre Unterstützung! Loben Sie sie beispielsweise, wenn Ihr Kind etwas Positives über sie erzählt hat...

Prinzipiell sollten Sie sich bemühen, eine konstruktive Beziehung zur Lehrerin aufzubauen, selbst wenn dies nicht so leicht wie früher bei der Erzieherin im Kindergarten ist – Lehrer haben viel weniger Zeit für Elternarbeit und auch weniger Interesse daran. Nutzen Sie jede Gelegenheit, die Lehrerin persönlich kennen zu lernen und eine Vertrauensbasis aufzubauen. So sollten Sie – möglichst zu zweit – alle Elternabende besuchen und natürlich erst recht die Elternsprechtage nutzen. Termingespräche, die in der Regel recht kurz sein werden, sollten aufgrund der begrenzten Zeit von Ihnen gründlich vorbereitet werden: Was wollen Sie von der Lehrerin wissen? Wie diese Ihr Kind erlebt? Wie Ihr Kind mit den Leistungsanforderungen zu Recht kommt? Ob es in der Klassengemeinschaft gut eingebettet ist? Wie Sie das schulische Lernen zu Hause unterstützen können? Und fragen Sie ruhig nach, wenn Sie den Lehrer-Fachjargon nicht verstehen.

Bitte bedenken Sie auch, dass Sie bei der Lehrerin einen guten Eindruck hinterlassen sollten. Kommen Sie also nicht abgehetzt, in Arbeitskleidung oder mit voll gepackten Einkaufstaschen zu einem Gesprächstermin. Und wenn Ihr Kind kritisiert werden sollte, brausen Sie nicht gleich auf, schlüpfen Sie nicht wie früher als Schüler in die schwächere Rolle oder übernehmen Sie nicht wieder den Part des rebellischen Teenagers. Versuchen Sie vielmehr, ruhig und freundlich zu bleiben und Verständnis für die Lehrkraft zu zeigen. Sinnvoll ist, gemeinsam mit der Lehrerin nach den Ursachen des problematischen Verhaltens zu suchen. Dann können Sie sich mit ihr absprechen, was Sie als Eltern tun können und was die Lehrerin machen wird, um Ihrem Kind zu helfen. Und haben Sie keine Angst, die Lehrerin auch einmal zu kritisieren – es kommt nur außerordentlich selten vor, dass ein Kind dies „ausbaden“ muss.

Schlusswort

Nun hoffe ich, dass Sie eine Reihe der von mir referierten Anregungen auch in Ihrer Familie umsetzen können. Bitte beachten Sie, dass Sie dazu in der Regel nur ein wenig mehr Zeit benötigen – zumeist müssen Sie die Zeit, die Sie sowieso schon mit Ihren Kindern verbringen, nur qualitativ besser gestalten. Und am wichtigsten ist ja Ihr Vorbild – in welchem Maße Sie und Ihr Partner eine „bildungsmächtige“ Familie ausgestalten können...

Literatur

Burnett, G./Jarvis, K. (2005): So helfe ich meinem Kind ... beim Lernen. Kinder zu Hause motivieren und unterstützen. Mülheim/Ruhr

Dernick, R./Küstenmacher, W.T. (2008): Topfit für die Schule durch kreatives Lernen im Familienalltag. München

Dohmen, D./Erbes, A./Fuchs, K./Günzel, J. (2008): Was wissen wir über Nachhilfe? – Sachstand und Auswertung der Forschungsliteratur zu Angebot, Nachfrage und Wirkungen. Erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Berlin

Eltern-Kursbuch Grundschule. Kinder fördern, fordern und erziehen (2006). Berlin

Fuhrer, U. (2005): Lehrbuch Erziehungspsychologie. Bern

Helmke, A./Weinert, F.E. (1997): Bedingungsfaktoren schulischer Leistungen. In: F.E. Weinert (Hrsg.): Psychologie des Unterrichts und der Schule. Enzyklopädie der Psychologie, Themenbereich D, Serie I, Bd. 3. Göttingen, S. 71-176

Schreiner, K. (2006): Schulerfolg. Was Eltern tun können. Freiburg, Basel, Wien

Träbert, D. (2004): Starke Eltern – erfolgreiche Schüler. Reinbek bei Hamburg, 2. Aufl.