Ingeborg Becker-Textor

 

Freitag, 06.05.2011

Wie geplant geht es von Würzburg nach Frankfurt und von dort mit dem direkten Zug nach Bern. Leider bekommen wir vor Olten eine Stunde Verspätung, da ein Mensch auf den Schienen gesehen wurde. Wir regen uns nicht auf, denn wir haben einen großen Zeitpuffer eingeplant. In Bern angekommen suchen wir sofort nach den Schließfächern. Für acht Franken stecken wir zwei Koffer und einen Rucksack in ein Schließfach.

Bei 24 Grad geht es sofort los, an der Synagoge und der schwer geschützten US-Botschaft vorbei hinunter zur Aare. Ein wunderbarer Spaziergang führt uns am Fluss entlang. Vorher erstehen wir in einer kleinen Bäckerei einen kleinen Apfel- und einen kleinen Rhabarberkuchen. Ich lasse sie jeweils in zwei Stücke schneiden. Die ältere Bäckereiverkäuferin erklärt mir, dass ein Berner die kleinen runden Kuchen im Ganzen essen würde. Also erkläre ich ihr, dass mein Mann und ich uns die beiden Kuchen teilen würden und deshalb... Da zeigt sie Verständnis.

Wir wandern weiter, vorbei an einer kleinen Staustufe mit einem edlen italienischen Restaurant. Wir planen, dort bei Rückreise einzukehren. Herrliche Ausblicke tun sich auf: zum Bundeshaus hinauf und zur Berner Altstadt auf dem „Berg“. Und dann erreichen wir den neu angelegten Bärengraben. Ist das toll! Das Gelände ist zwar noch etwas dürftig bewachsen, die Bäume sind klein und fast schon alle von den Bärenkindern „massakriert“. Was wir hier erleben, das ist filmreif: Die Bärenfamilie zieht eine Show ab! Besonders die beiden Kinder sind grandios - mal keppeln sie sich, dann küssen und schmusen sie einander. Wenn es nicht so glühend heiß wäre und wir wegen unserer Weiterfahrt auf die Uhr schauen müssten, dann wären wir bestimmt bis Sonnenuntergang geblieben!

Wir gehen zu einem Restaurant, wo wir bei einer früheren Reise eingekehrt waren. Leider gibt es keine indische Küche mehr, dafür Berner Brotzeit und Mönchsmahl mit Bier und Eistee. Dann stellt Martin fest, dass sein Gürtel kaputt ist. Kurz vor 20.00 Uhr stürzen wir in ein Kaufhaus und erstehen einen neuen Gürtel. Es ist schon blöd, wenn man dauernd seine Hose festhalten muss...

Dann gehen wir zum Bahnhof. Wie immer sind wir aufgrund meines Reisefiebers zu früh dran. Der Elipsos fährt pünktlich ein. Wir haben den Schlafwagen gebucht. Unsere spanische Zugbetreuerin ist sehr nett und macht uns auch bald das Bett. Sie sammelt noch Ausweise und Fahrkarten ein. Um 21.30 Uhr liegen wir schon im Bett. Der Wecker ist vorsichtshalber gestellt.

Samstag, 07.05.2011

Wir schlafen relativ gut, das flache Liegen ist schon Gold wert. Kurz nach 7 Uhr sind wir wach und machen uns fertig zum Frühstück, das im Fahrpreis inbegriffen ist. Im Speisewagen gibt es Toast, Butter, Marmelade, Croissant, Schokorolle, frisches Obst, Orangensaft und Kaffee.

Zurück in unserem Abteil erhalten wir unsere Ausweise und Fahrkarten zurück. Wir beobachten die Anfahrt nach Barcelona-Franca durchs Fenster. Sie dauert länger, da es viele Baustellen gibt, und so fahren wir mit 10 Minuten Verspätung ein. Von Via 4 geht es um 10 Uhr weiter nach Barcelona-Sants. Dort gibt es leckeren Kaffee Solo mit einem Stückchen Kuchen dazu. Dann geht es durch die Kontrollen zu unserem Zug nach Zaragozza. Wie am Flughafen werden alle Gepäckstücke geröntgt und die Reservierungen elektronisch überprüft. Dann sitzen wir auf unseren Plätzen. Niemand steht auf den Gängen, es besteht Reservierungspflicht. Auch gibt es genügend Platz selbst für die dicksten Koffer. Warum Dergleichen in Deutschland nicht möglich ist?

In Zaragozza müssen wir umsteigen nach Casteljon de Ebro. Leider entfällt der Talgo und wir müssen mit einem Media fahren. Wichtig für uns, wir kommen punktgenau in Casteljon an. Leider ist der nächste Zug nicht angeschlagen. Ein netter Bahnhofsvorsteher beruhigt uns und bringt uns zu Via 1 zu unserem Zug. Die Uhrzeit stimmt, aber nicht die Zugnummer. Dann kommt der Kontrolleur und studiert unsere Interrailkarte. Mit Hilfe des Displays auf seinem Gerät erklärt er uns, dass es vor Olite noch zwei Haltestellen gäbe, nämlich Villafranca de Navarra und Marcilla. „Aber es gibt die Durchsage, und dann wissen Sie schon, wann Sie aussteigen müssen!“. Einfach nett, auch wenn er uns wohl fälschlicherweise für etwas bahnunerfahren hielt.

Mittlerweile geht draußen wolkenbruchartiger Regen nieder; auf den Feldern steht bereits das Wasser. Wir steigen in Olite aus. Die wenigen Meter zum Bahnhofsgebäude reichen aus, um uns patschnass werden zu lassen. Regenzeug wird übergestülpt, aber es wird nicht viel nützen. Wir erreichen nach kleinem Umweg den Eingang zu unserem Parador in einer Burg und sehen aus wie gebadene Mäuse. Dazu müssen wir am Eingang noch durch eine Hochzeitsgesellschaft gehen...

Nach den üblichen Formalitäten beziehen wir unser Zimmer, breiten die nassen Sachen aus und platzieren die Koffer zum Trocknen. Dann hört der Regen auf, und wir gehen nach draußen. Der Ort Olite ist märchenhaft schön. Wir bummeln durch kleine Gassen und sind im Nu am anderen Ende des mittelalterlichen Städtchens. Weinschenken, Restaurants... zumeist noch geschlossen. Die Kirche San Pedro wird gerade vom Pfarrer aufgesperrt. Wir sind begeistert von der Architektur und den Altären. Auf dem Kirchplatz wachsen miteinander verschlungene Platanen, wie wir sie schon in Burgos kennengelernt haben. Nur sind sie hier schon grün.

Durch Gassen gelangen wir zum Rathausplatz und trinken in der kleinen Vinothek unter den Arkaden unseren ersten Wein: vin tinto und vin blanco aus Navarra. Es ist eines der berühmtesten Weinbaugebiete Spaniens. Wir stellen fest: Der Wein ist delikat. Leider gibt es nichts zu essen. So peilen wir für den zweiten Wein die nächste Bar an, dieses Mal mit Beilage. Schmeckt sehr gut!

Mittlerweile scheint die Sonne, ideal für einige Fotos auf dem Weg zum Parador. Auch der Blick aus dem Fenster ist jetzt ganz anders. Das Kloster ist in voller Sonne, die Wolken haben sich verzogen. Bestimmt wird es morgen ein schöner Erkundungstag.

Wir haben im Parador einen Tisch für 21 Uhr zum Abendessen reserviert. Wir wollen es uns ganz gemütlich machen, denn am morgigen Sonntag können wir ausschlafen. Unser Gepäck können wir im Hotel lassen, denn unser Zug geht erst um 16.00Uhr. Wir machen uns hübsch und gehen zum Abendessen. Es ist wirklich sehr schön im Restaurant. Zunächst hört man aber von nebenan noch die Hochzeitsmusik. Dies ist aber bald vorbei. Die Gäste sind sehr elegant und ausgefallen gekleidet. Überhaupt sind die Spanierinnen sehr chic! Wir verzehren ein dreigängiges Menü und trinken einen Wein aus Navarra dazu. Kurz vor Mitternacht fallen wir in unser Bett.

Sonntag, 08.05.2011

Es ist nach 9 Uhr, als wir aufstehen. Draußen wallen noch ein paar Morgennebel, dann kommt die Sonne. Bis Mittag ist der Himmel tiefblau. Wir frühstücken vom Feinsten - das Buffet ist überwältigend. Wirklich alles, was das Herz begehrt. Dann checken wir aus und geben unser Gepäck zur Aufbewahrung an der Rezeption ab.

Das Städtchen ist ein wahres Schmuckkästchen. Leider kann man die Klosterkirche nicht besichtigen. So umwandern wir den ganzen Ort: schmucke Häuser, malerische Gassen, viele Weinkellereien und Probierstuben, gut gekleidete Leute unterwegs zum Sonntagsspaziergang.

Dann besichtigen wir das Kastell. Der Königspalast von Olite, Sitz des Königshofes von Navarra bis zum Zusammenschluss mit Kastilien (1512), war eine der luxuriösesten mittelalterlichen Burgen ganz Europas. Ein deutscher Reisender beschrieb ihn im 15. Jh. in seinem Tagebuch, das heute im British Museum in London ausgestellt ist, mit folgenden Worten: "Ich bin mir dessen gewiss, dass es keinen König gibt, der einen stattlicheren Palast oder eine herrlichere Burg und mit so vielen güldenen Zimmern besäße."

Die Aussicht von den Türmen ist überwältigend. Auf dem Dach nisten viele Störche. Sie sind mit der Versorgung ihrer Kinder beschäftigt. Es wird der Tag der Stufen - zwei Stunden dauert unsere Tour. Dann geht es in eine kleine Dorfbäckerei zu Kaffee und Kuchen. Hier erleben wir spanisches Dorfleben mit Kind und Kegel. Weiter geht der Rundgang. Am Plaza Teobaldo trinken wir ein Gläschen Wein und verzehren dazu zwei Pinxtos - so, wie es die Spanier machen.

Wir holen unsere Rollkoffer und ziehen zum Bahnhof. Außer uns steigt niemand ein, aber in Pamplona wird sich das dann ändern. Die Fahrt geht bis Vitoria- Gasteiz, eine hübsche Stadt. Dort müssen wir umsteigen. Die Fahrt von Olite bis San Sebastian ist wirklich ein Erlebnis: verschiedenartige Landschaften, vielfältige Vegetation, kaum Straßen oder Dörfer zu sehen. Manchmal haben wir das Gefühl, wir führen durch die Schweiz. Mal sehen wir Berge und Wälder, mal fast wüstenartige Landschaften. Es ist die reinste Panoramafahrt und nie langweilig.

Pünktlich um 20.20 Uhr erreichen wir San Sebastian oder Donastia, wie die Stadt in der baskischen Sprache heißt. Wir haben eine genaue Wegbeschreibung. In knapp fünf Minuten sind wir zu Fuß bei unserer Unterkunft. Wir stehen gerade vor dem Haus, als die Tür aufgeht und ein freundlicher junger Mann fragt, ob wir zum B&B wollen. Es ist der Besitzer. Wir werden herzlich begrüßt, checken ein, erhalten Stadtplan und Infos, beziehen unser Zimmer, und kurz vor 21.00 Uhr verlassen wir das Haus.

Entlang dem Fluss erreichen wir in wenigen Minuten das Meer, den Atlantik. Rechts von uns ist die Bucht mit dem Kursaal, links der Hausberg mit dem Castello. Die Wellen klatschen an den Strand. Wir laufen den Paseo entlang, sozusagen am Fuß des Berges herum, und gelangen zur berühmten Bucht La Concha. Der Sonnenuntergang wird immer schöner, in der Ferne sind Nebelbänke über den Bergen, die Wellen prallen gegen die Kaimauer, und manchmal platscht das Wasser auf den Gehweg. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nass werden.

Dann kommen wir am Aquarium und am Yachthafen vorbei, sehen kleine Fischerlokale, die sehr nach Nepp aussehend und uns nicht locken. Wir gelangen zur ehemaligen Hafeneinfahrt und bummeln unter Bäumen entlang zum Fluss. In einem kleinen Nachbarschaftslokal essen und trinken wir noch eine Kleinigkeit.

Montag, 09.05.2011

Wir stehen erst nach dem Aufwachen auf, gehen zum Frühstück in ein Café und dann nochmals zu unserer Unterkunft, um zu bezahlen, denn morgen müssen wir früh weiter und da wird der Besitzer noch nicht da sein. Dann geht es zum Busbahnhof, um bei ALSA die Fahrkarten nach Santander zu kaufen - es gibt sie nur mit Reservierungen.

Nun kann endlich unser Kulturprogramm beginnen. Wir lassen uns treiben und kommen dennoch zu allen Sehenswürdigkeiten: San Vicente (ältestes Gebäude der Stadt), Kathedrale, neugotische Kirche, historische Gassen in der Altstadt. Und ein Wetter! Kaum zu glauben, dass wir am Samstag klatschnass waren. Wir finden auf Anhieb ein erlesenes Restaurant. Es ist schon 13.30 Uhr, aber wir sind die ersten Gäste. Die Spanier kommen nicht vor 14.00 Uhr. So geht es noch ganz ruhig und gemütlich zu. Alles ist lecker - von der Salatplatte über den gegrillten Ziegenkäse, die köstlichen Calamari und das Lamm bis hin zu den Postres. Wir trinken dazu einen erlesenen trockenen Wein. Morgen wechseln wir die Provinz und da wird es andere Weine geben.

Nun steigen wir hinauf auf den Hausberg Monte Urgull mit der überlebensgroßen Christusfigur. Von dem Hügel schweift der Blick über die weite Concha-Bucht mit dem bezaubernden Stadtstrand, die Altstadt und den Atlantik bis hin zum Monte Igueldo. Nach einem gemütlichen Abstieg landen wir wieder im Hafen. Dort gibt es ein Eis auf einer Parkbank, bevor wir die ganze Concha entlang wandern bis zum Miramare. Leider befinden sich viele Baustellen und kaputte Häuser entlang des Paseo, rauscht der Verkehr vorbei. Grandios ist der Blick zum Strand und über das Meer, das heute ruhiger ist. In Miramar sitzen wir im Park und genießen die Aussicht. Eine Schulklasse macht Rollübungen im Doppelpack, den Wiesenhang hinunter. Wir beobachten noch einige Surfer, bevor wir den Weg zurück antreten. Unsere Füße haben heute viel geleistet. Wir essen und trinken noch etwas, und dann werden die Vorbereitungen für morgen getroffen. Es ist wieder ein Reisetag, und unser Bus fährt bereits um 9.00 Uhr ab.

Dienstag, 10.05.2011

Eigentlich hätten wir den Wecker gar nicht gebraucht, wir sind schon vor 7 Uhr wach. Wir machen uns und dann das Gepäck fertig und wollen in dem uns schon bekannten Café frühstücken. Aber es hat leider noch geschlossen. Also nehmen wir das Frühstück in einer Bar an der Ecke ein. Der Busbahnhof ist relativ eng und unübersichtlich. Die meisten Leute wollen nach Madrid. Wir unterhalten uns mit einer Kanadierin, die auf dem Jakobsweg gescheitert ist und deren Fersen voller Blasen und Pflaster sind.

Irgendwann kommt unser Bus. Je nach Zielort wird das Gepäck in einem anderen Fach verstaut, und die Fahrt geht los. Es geht auf die Autobahn, dann über Landstraßen. Immer wieder können wir auf das Meer blicken; auf der Landseite begleiten uns meist schroffe Felsen und Berge, die weit über 1000 Meter Höhe hinausragen. Mal sehen wir Wälder, dann wieder Ackerland und Wiesen mit Kühen, vereinzelt Bauernhöfe und Reihenhaussiedlungen. Bilbao scheint eine schreckliche Stadt mit vielen Hochhäusern und reinen Wohnsilos zu sein; zumindest die Außenbezirke. Wir fahren nur vorbei. Überhaupt sind viele Städte hier an der Küste neu und extrem modern. Die historischen und kulturellen Highlights finden sich eher im Landesinnern. Am Meer gibt es riesige Campingplätze, weit weg von den Dörfern.

Nach drei Stunden erreichen wir Santander. Erste Haltestelle ist der Flughafen, auf dem aber nur sehr kleine Maschinen landen können und der vermutlich nur Inlandsflüge bedient. Die Stadt selbst hat einen architektonisch netten Kern, aber macht uns auch nicht weiter an. Der Busbahnhof ist sehr gut durchorganisiert. Wir erfahren, dass es die Karten für die Weiterfahrt im Bus gibt. So bleibt noch Zeit für einen Kaffee. Pünktlich um 13.05 Uhr geht es weiter. 45 Minuten wird die Fahrt dauern - für gerade einmal 2,40 Euro.

Wir steigen in Santillana del Mar aus, schauen uns um und entdecken in 20 Metern Entfernung die ehemalige Poststation - unsere heutige Bleibe. Sie ist mit vier Sternen ausgezeichnet und kann mit jedem Parador mithalten. Wir freuen uns über die schöne und gemütliche Atmosphäre und das hübsche Zimmer mit alten Möbeln und Holzboden. Dann lassen wir uns zwei Restaurants empfehlen. Das erste erinnert mehr an ein Bistro, aber das zweite sagt uns zu. Wir sitzen in einem offenen überdachten Raum im Hof, alle Tische sind weiß gedeckt. Das Tagesmenü klingt gut: gemischte Vorspeisen (spanische Kroketten, zweierlei Salami, Schinken), Calamari vom Feinsten (keine panierten Ringe), Bacalao mit einer Art Tomatenpaprikaragout und Kartoffelscheiben, gefülltes Schweineschnitzel mit Käse, Pommes, Milchreis mit Weihnachtsgeschmack, Flan mit Karamel, eine Flasche weißen Tischwein, eine Flasche exzellenten Rotwein, zwei Espresso und zwei riesige Kräuterliköre für gerade einmal 48,00 Euro. Man merkt, dass wir hier auf dem Land sind.

Wir spazieren dann durch kleine schmucke Gässchen, vorbei an einer Siderei und der Kirche. Dann geht es in die Pampas. Wir schlagen einen Bogen und gelangen zu einer Klosterkirche, gerade zur Abendandacht von fünf alten Nonnen. Dann gehen wir heimwärts. Halt, beim Tourismusbüro fragen wir noch nach Wanderwegen und holen uns Informationen zu den Höhlen von Altamira. Es gibt leider keine ausgeschilderten Wanderwege und kein Kartenmaterial...

Dann steuern wir unsere Unterkunft an. Wäsche wird gewaschen, danach machen wir es uns gemütlich. Martin liest ein Buch aus dem Fundus des Hotels, und ich schreibe im Reisetagebuch weiter.

Mittwoch, 11.05.2011

Ein neuer Tag. Wir schlafen aus und gehen gegen 9 Uhr zum Frühstück. Es ist niemand im Raum. So bedienen wir uns selbst, holen Geschirr und Besteck, Kaffee oder Tee und Essen von einem liebevoll vorbereiteten Buffet. Es fehlt absolut nichts - unmöglich alles zu probieren. Wir lassen es gemütlich angehen. Martin muss noch die Postkarten unterschreiben, die sein „Sekretariatsdienst“ schon vorbereitet hat.

Dann wandern wir los, zwei Kilometer sollen es bis zu den Höhlen von Altamira sein. Erstaunlich, wie viele kleine Hotels, Pensionen und sonstige Unterkünfte es hier gibt. Wovon die wohl alle leben? Es geht etwas bergauf, vorbei an Vorgärten mit herrlichsten Rosen und sonstigen Blumen, dann an Feldern und Wiesen vorbei. Schließlich erreichen wir das Gelände von Altamira. Auf dem Parkplatz stehen ein Bus und einige Autos. Wir sind schweißgebadet; die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch, Gewitter liegt in der Luft. Aber jetzt sind wir ja erst einmal in einem Raum.

Ein kurzer Einführungsfilm informiert über die Geschichte von Altamira und erklärt, warum die Originalhöhlen heute nur noch von wenigen Wissenschaftlern besucht werden dürfen. Man hat eine Rekonstruktion geschaffen: Die Neocueva ist eine wirklichkeitsgetreue Reproduktion in der tatsächlichen Größe der Originalhöhle. Die Malereien wurden mit den gleichen Methoden, Materialien und Farben rekonstruiert wie sie die Menschen im Paläolithikum nutzten. Hier kann man die erste Kunst der Menschheit kennenlernen.

Das wunderbare Museum vertieft nochmal alles. Dort machen wir die Bekanntschaft einer Schulklasse. Die Kinder haben zuerst etwas auf Spanisch gefragt. Als sie merken, dass wir sie nicht verstanden haben, schwenken sie sofort auf Englisch und Französisch um. Einer der Schüler, ein Marokkaner, will wissen, welche Sprachen wir sprechen. Er konnte Spanisch, Französisch, Englisch und Arabisch. Deutsch wird wohl nur selten gelernt. Die Schüler erklären uns, wie man die überall angebrachten Kopfhörer auf Englisch umstellt. Es ist richtig nett.

Die Zeit vergeht. Wir laufen noch über das Gelände bis zum Eingang der Originalhöhle und beobachten eine französische Schulklasse, die sich im Urzeitspeerwerfen übt. Dann bummeln wir zurück nach Santillana und entdecken unterwegs am Wegesrand noch wunderschöne Orchideen. Sie müssen unbedingt fotografiert werden. Gegen 14.00 Uhr erreichen wir den Ort und steuern unser gestriges Restaurant an. Leider Ruhetag. Also gehen wir zur gegenüber liegenden Gaststätte und fahren auch nicht schlecht: Bacalaupastete, ländlicher Bohneneintopf mit Wurst und Rippchen, gefüllter Merluzza und köstliche Schokoladen- und Käsetorte. Der Wein, den es zum Menü des Tages gibt, schmeckt nicht besonders. Dafür gibt es noch Licore Hierbas hinterher.

Es fängt an zu tröpfeln, und hat außerdem ganz schön abgekühlt. So folgt eine kurze Siesta. Dann wird die Ortserkundung fortgesetzt, denn wir wollen unbedingt noch die Kirche La Colegiate besuchen, die Kirche des Benediktiner- und später des Augustinerklosters. Gegründet wurde sie im frühen Mittelalter, um die Reliquien der Hl. Juliana aus Nikomedia zu bewahren. Diese war eine Märtyrerin aus der Zeit des Diokletian. Als Santa Illana ist sie Namenspatronin des Ortes.

Die Kirche ist der bedeutendste romanische Bau in Cantabrien. Der Hauptaltar birgt den Schrein mit den Reliquien. Grandios ist der Kreuzgang - er ist das absolute Glanzstück der Kirche. Die Säulen tragen Kapitelle mit biblischen Motiven, Legenden, Alltags- und Kampfszenen. Wir sind fast allein und können dieses einzigartige Kunstwerk in aller Stille auf uns wirken lassen.

Draußen regnet es heftig, trotzdem bummeln wir noch durch die Gässchen. In einen Café am Ende des Ortes trinken wir etwas und spazieren dann zu unserer Unterkunft. Morgen geht es weiter nach Llanes. Wir sind schon gespannt, was uns dort erwarten wird!

Donnerstag, 12.05.2011

Nach dem guten Frühstück warten wir an der Hauptstraße auf den Bus. Es ist ein richtiger „Bummelbus“. Unterwegs haben wir leider zwei Stunden Aufenthalt, und im Umfeld des Busbahnhofes gibt es nichts Aufregendes zu entdecken - außer der Bar. Dann geht es weiter nach Llanes. Es ist eine schöne Busfahrt. Immer wieder gibt es Ausblicke zum Meer. Die hohen Berge haben sich leider in Wolken verhüllt; man kann die Gipfel nur erahnen. Gleich bei der Estacion Autobusses entdeckt Martin einen Hinweis auf die Playa de Sablon. Und das ist auch der Name unseres Hotels; es liegt am einzigen Sandstrand des Ortes. Wir ziehen los, eine Spanierin zeigt uns noch eine Abkürzung.

Das Hotel macht einen sehr guten Eindruck. Wir bekommen ein wunderbares Zimmer mit Blick auf die Bucht, hinüber zum Paseo San Pedro und mit Meeresrauschen. Genauso hatten wir es uns gewünscht! Wir stellen unser Gepäck ab und beginnen gleich mit der Ortserkundung. Es ist bereits nach 14.00 Uhr, und so sollten wir nach einem Restaurant Ausschau halten. Wir werden fündig, speisen à la carte, sind sehr zufrieden. Nur Männer essen im Lokal, bis auf meine Wenigkeit.

Dann geht es durch die Gassen. Mittlerweile hat die Basilika Santa Maria geöffnet. Toll ist, dass hier in vielen Kirchen immer Musik vom Band gespielt wird. Sie hüllt einen so richtig ein. Die fast rein gotische Kirche stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Herrlich ist das romanische Portal, wenn auch der weiche Sandstein schon etwas verwittert ist und man die Schönheit der Steinmetzarbeiten an einigen Stellen nur noch erahnen kann. Im Innern der Kirche ist ein wunderschönes Platereskretabel aus dem 16. Jahrhundert.

Llanes birgt auch eine Vielzahl von Palästen, mehr oder weniger gut erhalten. Fast in jeder Gasse findet man Siderias; Sidre ist hier eine regionale Spezialität. Im Lokal zahlt man für eine Flasche etwas über zwei Euro. Wir probieren Sidre, ist aber nicht unser Geschmack. Wir gehen wieder in Richtung Playa de Sablon und steigen die Treppen hinauf zum Paseo San Pedro. Es ist ein Spazierweg oben auf dem Kliff. Eine dicke, aber niedrige Mauer schützt vor dem Sturz von den steilen Felsen. Schätzungsweise 50 Meter geht es hinunter, und unten donnern die Wellen gegen das Gestein.

Der Paseo ist ein Rasenweg von einigen Kilometern Länge mit uralten knorrigen Tamarisken, anderen Bäumen und Bänken zum Ausruhen. Hinter der Mauer wachsen dicke Polster mit Grasnelken, Akeleien, langstielige Gänseblümchen, Farne und andere herrliche Wildpflanzen. Die Klippen schlängeln sich quasi an der Küste entlang und bieten grandiose Ausblicke auf das Meer und auch auf den Ort. Nach einiger Zeit endet der Weg und geht in einen Pfad über. Dieser führt über Kuhweiden, an Felsen und Resten von Befestigungen vorbei, verliert sich dann in der Ferne. Die Ausblicke sind atemberaubend. Wie wären sie erst bei Sonnenuntergang oder bei klarer Sicht auf die Berge! Der Wind wird stärker; es kühlt auch etwas ab. So machen wir uns auf den Rückweg, der neue Perspektiven eröffnet.

Der Tag neigt sich seinem Ende zu. Wir liegen bei offenem Fenster im Bett, lauschen dem Meeresrauschen. Irgendwann in der Nacht wird das Fenster geschlossen, es ist zu kühl. Sollten wir nochmals nach Llanes zurückkehren, werden wir hier wieder wohnen, in Zimmer 46!

Freitag, 13.05.2011

Nach dem Aufwachen öffnen wir das Fenster und lauschen dem Meer. Dann gehen wir zum Frühstück in eine Konditorei. Sie hat nur zwei Barhocker, aber das reicht uns. Es schmeckt lecker, der Kuchen ist eine regionale Spezialität. Wir gehen zum FEVE-Bahnhof, entscheiden uns dann aber gegen eine Zugfahrt. Stattdessen machen wir eine Wanderung zu dem hübschen Dörfchen Pancar. Es geht entlang am Flüsschen Carroceu. Ein anderer Weg führt uns zurück und zwar direkt zum Busbahnhof.

Um 12 Uhr nehmen wir den Bus nach Ribadesella. Der Ort liegt auch direkt am Meer; der alte Ort ist mit einer 300 Meter langen Brücke mit dem mondänen Badeort verbunden (Villen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts). Eigentlich wollten wir die Höhlen besichtigen, aber leider ist das Procedere beim Kartenkauf so umständlich, dass wir es bleiben lassen. Wir waren ja schließlich schon in Altamira und kennen bereits viele Tropfsteinhöhlen. Dann kommen wir an einem Horrero vorbei, einem alten Holzgebäude auf steinernen Stelzen, das der Vorratshaltung diente und vor Mäusen sicher war.

Wir bummeln den Küstenpaseo entlang und entdecken eine Concha, eine Strandbucht fast so groß wie die in San Sebastian. Hier kommt man nur als Fußgänger hin. Etwas weiter entfernt liegen prachtvolle Villen reicher Heimkehrer aus Mittel- und Südamerika. Einige scheinen noch immer in Privatbesitz zu sein, andere wurden in kleine Hotels umgewandelt, weitere Villen stehen zum Verkauf oder sind sehr renovierungsbedürftig. Einige ganz mutige Menschen sind sogar im Wasser, das gerade einmal 7 Grad haben soll.

Über die lange Brücke gehen wir zurück in den alten Ort. Der Rio Sello fließt hier ins Meer. Im verkehrsberuhigten Ort gibt es wunderschöne Häuser; die Bars haben Tische und Stühle auf die Straße gestellt. Wir entdecken ein interessantes Restaurant, auf Fisch spezialisiert. Es bietet ein Menü del Dia für 21 Euro an, inklusive Wasser, Wein und Brot. Im vorderen Bereich befindet sich eine Bar, dann folgt ein Raum, in dem es Wein, Tapas bzw. Pinxtos gibt; an der Wand hängen schmale Schinken. Im Speiseraum ist alles weiß eingedeckt. Noch sind wir um 14.15 Uhr die ersten Gäste. Die Spanier essen noch viel später als die Italiener!

Hier das Menü: Pastete und Mayonnaise mit einer Art Zwieback, Pulpo auf Salatbett, Gemüsecreme, Fabada (= weiße Bohnen mit Muscheln), Gemüserisotto, gegrillter Tunfisch mit Zucchini, Tomaten und Salat, Tarte de Chocolat, Kaffee Solo und ein exzellenter Hauswein aus der Flasche, die am Tisch geöffnet wird! Zur Verdauung bestellen wir wieder einen Licore Hierbas und bekommen ein halbes Wasserglas voll! Dann der Preis: 44 Euro für zwei Personen.

Nun ist Bewegung angesagt. Steil geht es bergauf zu einem Aussichtspunkt. Leider sind die Berge in Wolken. Wir besuchen den Friedhof, nicht sehr gepflegt. Dann steigen wir hinunter zur Playa Antalya. Wieder eine winzige Sandbucht, umgeben von einem riesigen Kliff. Wir sitzen auf einem Felsen und lassen die Zeit verstreichen. Keiner da außer uns! Wir beobachten eine Eidechse. Dann geht Martin ans Wasser, das gegen die Felsen schlägt, auf Suche nach Meeresgetier. Er hat kein Glück; es sind noch nicht einmal Muscheln oder Krebse angeschwemmt worden. Das Meer wird stürmischer, die Flut kommt zurück. Ein Pärchen hat sich noch eingefunden. Der Mann hat Glück, er wäre fast auf dem glatten Fels gestürzt. Man muss schon wirklich vorsichtig sein.

Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass wir zum Bus müssen. Adios Playa. Gemächlich fahren wir zurück nach Llanes. Dort scheint es geregnet zu haben, riesige Pfützen stehen auf den Straßen. Nun ja, die Wolken waren ja auch pechschwarz. Wir hatten in Ribadesella Sonne...

Nun sind wir recht müde - zu viel Meeresluft. Wir kehren noch in einer Sideria ein und trinken ein Fläschchen. Dann geht es heim. Nach Telefonaten über Skype schlafen wir bei Meeresrauschen ein. Morgen werden wir mit dem Bus weiter nach Oviedo fahren, der Hauptstadt Asturiens. Bis jetzt hat uns alles gefallen, es geht uns gut. Wunderschöne Tage!

Samstag, 14.05.2011

Beim Aufstehen ist Ebbe. Draußen gießt es in Strömen. So beschließen wir, im Hotel zu frühstücken, bevor wir uns auf den Weg zum Busbahnhof machen. Um 10.10 Uhr geht es dann nach Oviedo. Bis Ribadesella kennen wir die Strecke. Manchmal verschwinden die Wolken, und wir können die Schönheit der Berge erahnen. Ob es hier jemals ganz klares Wetter gibt? Selbst auf den Postkarten sieht man immer nur die Bergspitzen, darunter sind Wolken.

Fast die ganze Strecke geht es den Rio Sella entlang. Viele Kanuten sind unterwegs; das Kanufahren scheint hier eine beliebte Sportart zu sein. Wir kommen durch das kleine Städtchen Arriandas, eingebettet in grüne Wiesen und dschungelartige Wälder. Es geht über Landstraßen mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 km/h, wirklich eine sehr gemütliche Panoramafahrt. Wir sehen einzelne Häuser und kleine Gehöfte; die Kühe sind trotz Regenwetter auf der Weide. Dann kommen wir durch Villamayor am Fluss Rio Pilona. Wasser gibt es hier in Mengen. Wie unterschiedlich sind doch die spanischen Regionen. Denken wir nur einmal an die Extramadura!

Kurz nach 12 Uhr kommen wir in Oviedo an. Am Busbahnhof besorgen wir uns gleich einen Stadtplan und erkundigen uns noch nach den Abfahrtszeiten für den Bus nach Ferrol. Wir finden auf Anhieb unser Hotel und checken ein. Wenige Minuten später sind wir schon wieder on tour.

Es geht stadteinwärts in Richtung Altstadt, entlang von Alleen mit herrlichen Jugendstilhäusern. Sie sind meist bunt gestrichen, bei näherem Hinsehen leicht renovierungsbedürftig. Viele Straßen sind Fußgängerzonen. Wir gelangen zur Kirche San Juan. Sie ist neu, hat Mosaiken und erinnert etwas an die Fourvière in Lyon. Vor der Kirche spielt eine kleine Trachtenkapelle Volksmusik. Und schon kommt eine Hochzeitsgesellschaft aus der Kirche, elegant gekleidete Menschen. Dann besichtigen wir die Kirche. Auch das Innere ist beeindruckend: moderne Fresken, Mosaiken, Statuen mit echten Haaren und Kleidern - ungewohnt, aber interessant.

Weiter geht es durch Fußgängerzonen. Im Lakritzladen gibt es leider keine naturbelassene Lakritze für den Magen. Wir hören einer größeren Musikkapelle zu, die Hunderte von Zuhörern mit Songs aus berühmten Musicals unterhält. Weiter geht es zu einem großen Platz mit Theater. Dort findet gerade einer Demonstration gegen Rassismus statt. Wir passieren die Universität und besichtigen die Kathedrale. Immer wieder halten wir an und bewundern die vielen Bronzeskulpturen: einen Mann, auf einer Bank sitzend, die elegante Frau La Regenta, einen Reisenden. Wir kommen an der Iglesia San Isidora vorbei, treffen wieder auf eine Gruppe von Volksmusikanten in asturischer Tracht.

Auf der Suche nach einem Restaurant kommen wir an der Markthalle vorbei, dann durch kleine Gässchen mit vielen Lokalen und Menschen. Man feiert heute das Fest des Hl. Matthias. Überall wird Sidre ausgeschenkt, werden Menus angeboten, die uns nicht anmachen. So kehren wir zurück zum Theater. Ganz in der Nähe hatten wir ein Restaurant gesehen, das uns beim Vorbeigehen zugesagt hatte. Auf Kosten des Hauses gibt es zunächst ein Blumenkohlsüppchen, dann Salat mit Jamon, Fischsuppe, Merluzza, Pote Asturiana (= weiße Bohnen mit einem grünen Blattgemüse), scharfe Paprikawurst, Blutwurst, Dörrfleisch. Es schmeckt köstlich. Als Postre wählen wir Milchreis mit Zimt und Flan Caramel. Dazu Wasser, eine Flasche Weißwein, Kaffee, Licore Hierbas und Brandy - alles zusammen für 40 Euro. Da werden wir vielleicht morgen wieder hingehen...

Gut gestärkt geht es weiter zur Kathedrale. Hier erleben wir die nächste Hochzeit, die noch bombastischer ist. Dann besichtigen wir die Kathedrale mit ihren Kunstschätzen. Wir beschließen, einmal um den riesigen Gebäudekomplex herum zu gehen. Und was gibt es zu sehen? Die nächste Hochzeit in einer Kirche auf der Rückseite der Kathedrale, genau vor den Toren der psychologischen Fakultät der Universität. Wieder schauen wir uns das Spektakel an, die Kleider, die Stöckelschuhe, die Kopfbedeckungen. Die Leute frieren ganz schön, obwohl inzwischen wieder die Sonne scheint. Es hat aber stark abgekühlt, und wir sind froh, dass wir unsere Jacken dabei haben. Es werden wieder Fotos gemacht, dann setzen wir unseren Weg um die Kirche fort. In der Seitenkapelle der Kathedrale findet die nächste Hochzeit statt. Wahrscheinlich hätten wir den ganzen Tag mit Hochzeiten zubringen können. Leider hat uns aber niemand eingeladen.

Jetzt peilen wir den Heimweg an. Wieder geht es an wunderschönen Jugendstilhäusern vorbei. Martin steuert den FEVE-Bahnhof an. Wir erkundigen uns nach einem Zug nach Ferrol, entscheiden uns für den frühen Zug. Die Fahrkarten können wir aber erst am Montag kaufen. Wir nehmen den Hinterausgang und steuern noch eine kleine Stadtteilbar an. Nach uns kommen noch viele weitere Personen; bald ist die Bar richtig voll. Wir decken unseren restlichen Flüssigkeitsbedarf, bevor wir die letzten Meter zum Hotel laufen. Jetzt wird entspannt, und dann schauen wir, was uns der Sonntag bringen wird!

Sonntag, 15.05.2011

Wir wachen erst nach 8 Uhr auf und entschließen uns doch für ein Frühstück im Hotel. Dann gehen wir los. Der Monte Naranco wird angesteuert. Es geht schweißtreibend steil hinauf. Wieder kommen wir an Horeros vorbei, den alten Getreidespeichern. Hähne krähen, Enten schnattern, ein Esel schreit jämmerlich und erhält keine Antwort von einem Frauchen. Armer Kerl! Kleine Häuser, Gärten, ein Mann, der noch mit der Sense Gras mäht, Blumen auf den fetten Wiesen, Orchideen...

Wir steigen hinauf zu Santa Maria de Naranco. Vor uns liegt ein Ensemble präromanischer Baukunst aus dem 8. Jahrhundert, seit 1985 Weltkulturerbe. Der ehemalige Palast strahlt in der Sonne und ist ein Bauwerk höchster Harmonie. All diese präromanischen Bauwerke legen Zeugnis ab von den historischen Wurzeln des Königreiches Asturien. Die Ausstellung im Besucherzentrum gibt uns noch einen Überblick über die architektonische Entwicklung dieses Baustils in Asturien. Er lässt sich nicht vergleichen mit der Romanik in Deutschland oder Frankreich. Alleine durch den goldfarbenen Stein wirken die Gebäude weicher, geschmeidiger, strahlender, wärmer.

Wir sitzen noch etwas in der Sonne und genießen den Blick auf die Stadt. Von den wunderschönen Jugendstilbauten nehmen wir hier nichts wahr; alles scheint modern, ein regelrechter Häuserbrei. Selbst die Kathedrale wirkt klein. Wir wandern bergab und beobachten noch die Kleintier- und Pflanzenwelt.

Eigentlich hatten wir beim Aufstieg zwei Restaurants angepeilt. Das eine erscheint uns nun als „Busabfütterungsplatz“. So ignorieren wir es. Das andere hat geschlossen. Also geht es weiter stadteinwärts. Und wo landen wir wieder? Beim schon gestern besuchten Restaurant. Unser Ober und die Kellnerin lachen uns an. Welche Ausländer kommen schon zwei Tage hintereinander? Wir bestellen wieder das Menü: Brokolisüppchen mit Stängchen, Lachspastete mit Joghurtmayonaise und kleinen Zwiebackstückchen, Maisbrot, Pite = Ochsenschwanz, Solemillo mit roter Paprika in Naturzwiebelsauce. Alles vom Feinsten! Als Postre gibt es einen Hauch von Crêpe mit Apfelkompott. Wir trinken wieder nur die Flasche Hauswein, die zum Menü gehört. Sie ist bald geleert, und unser Ober bringt sofort eine zweite Flasche. Der Eiskübel ist selbstverständlich. Dann Kaffee mit Frischkäsegebäck. Wir bezahlen 40.- Euro und bekommen zum Abschluss noch einen Licore Hierbas spendiert. Kaum zu glauben: All das in einem Superrestaurant der Oberklasse mit bodenlangen weißen Tischdecken, wo die Stoffservietten mit der Silberzange auf den Teller gelegt werden! Unser Ober verabschiedet uns mit Handschlag.

Einen leichten Schwips haben wir schon, aber auf einer Bank in der Sonne ist es für eine Siesta zu heiß. So besuchen wir die nächste präromanische Kirche. In dem kleinen Park davor meditieren wir bei der Beobachtung von Eidechsen und beim Schreiben von Postkarten. Das ist wieder ein spannender Tag!

Heute muss der Wecker gestellt werden, denn um 7.40 Uhr geht der Zug nach Ferrol. Das wird bestimmt eine spannende Fahrt; um 14.00 Uhr werden wir ankommen.

Montag, 16.05.2011

Reisetag heißt früher aufstehen, so auch heute. Aber wir wohnen ja nur fünf Minuten vom Feve-Bahnhof entfernt. So sind wir schon vor 7.00 Uhr am Bahnhof und kaufen die Fahrkarten. Sie kosten 23,00 Euro - für eine ca. 300 Kilometer lange Strecke. Dann frühstücken wir im Bahnhof. Der Zug ist schon früher da und wenig besetzt. So haben wir einen Viererplatz für uns allein. Es ist ein sehr komfortabler Regionalzug, mit viel Platz für die Beine und einer supersauberen Toilette, obwohl sie im Verlauf des Tages von vielen Leuten benutzt wird.

Es ist eine spannende Fahrt durch immer wieder wechselnde Landschaften. Wir haben einen „Naturfilm“ erwartet und werden nicht enttäuscht. So sehen wir Bergmassive, Felsen, sanfte Bergkuppen (wie wir sie aus der Schweiz kennen), Kiefernwälder, Eukalyptuswälder, Weidelandschaft, fruchtbares Ackerland, Schluchten, die schon fast dschungelartig wirken, Felsenstrand, Dünenlandschaft, Sandstrände und Brackwassergewässer, die sich weit ins Land hineinziehen und wie Wattlandschaft wirken. Nur wenige Möwen und andere Seevögel sind unterwegs, d.h. es wird wohl kaum Essbares angeschwemmt. Oft fährt der Zug direkt entlang der Küstenlinie, dann aber auch durch das Landesinnere oder durch Tunnel. Das ist schade.

Nach unserem Fahrplan sollte der Zug 48 Mal anhalten, aber es dürften einige Haltestellen mehr oder weniger sein - gehalten wird nach Bedarf bzw. wenn jemand an einem der winzigen Bahnhöfe wartet. Dank unserer ausgedruckten Liste der Stationen können wir die Strecke gut verfolgen und auch auf der Landkarte nachschauen. Die Ortsnamen sagen uns nichts.

Dann erreichen wir Ferrol und schlagen gefühlsmäßig gleich den richtigen Weg ein. Unterwegs fragen wir Passanten nach der Rua Dolores. Es sind etwa 10 Minuten vom Bahnhof. Wir gehen durch eine Fußgängerzone, und dann haben wir unser Hotel schon erreicht. Es entspricht dem modernistischen Baustil, der die ganze Stadt prägt. Das Gebäude wurde 1913 von dem spanischen Architekten R. Ucha entworfen. Es ist wirklich ein Prachtbau, frisch renoviert. Nach dem netten Empfang gehen wir in unser sehr schönes Zimmer. Bis dato haben wir mit unseren Unterkünften immer Glück gehabt.

An der Rezeption fragen wir nach einem guten Restaurant. Man empfiehlt uns ein Lokal direkt um die Ecke. Und es ist wirklich nach unserem Gusto: Vorspeise mit Marisco = Meeresfrüchten, gemischter Salat mit Ei und Thunfisch, Fisch in einer Paprikasauce bzw. in einer grüner Sauce, mit Erbsen, Kräutern und Spargel. Dazu gibt es galicischen Wein, Wasser, Kaffee und Brandy. Es ist köstlich! Erst gegen 17.00 Uhr sind wir fertig - aber nicht die letzten Gäste im Restaurant.

Dann erwandern wir die Stadt. Natürlich geht es zuerst ans Meer. Ferrol liegt an einem Fjord. Im Hafen liegen riesige Schiffe, auch der Kriegsmarine. So kommen wir nur an wenigen Stellen direkt ans Wasser. Das Fort wird als große Sehenswürdigkeit beschrieben, wird von uns aber nur unter „Naja“ verbucht. Wir wandern entlang des Arsenals, wo hinter riesigen Mauern Militär stationiert ist, vorbei an einer Vielzahl von Kirchen und an der Fischmarkthalle, die auch von dem modernistischen Architekten Ucha gestaltet wurde. Auf der Suche nach dem Meer kehren wir irgendwann um, laufen auf einer kleinen Wohnstraße oberhalb des Fjords und sind etwas enttäuscht. Also weiter. Naja, immerhin werden wir durch zwei modernistische, wirklich verrückt aussehende Wohnblocks entlohnt. Dann geht es zum Bahnhof und zum Busbahnhof, wo wir uns nach einer Verbindung für den morgigen Ausflug und nach dem Bus für die Weiterfahrt nach Santiago erkundigen. In einer Bar wollen wir noch einen Drink zu uns nehmen. Aber leider gibt es keine Cocktails. So bleiben wir kurz, und dann geht es zurück zum Hotel.

Dienstag, 17.05.2011

Es wird richtig ausgeschlafen, denn unser Zug für den Tagesausflug geht erst um 10.30 Uhr. So können wir den Tag gemütlich angehen lassen. Wir frühstücken sehr gut im Hotel und trödeln dann zum Bahnhof. Wir haben beschließen, eine Fahrkarte bis Viveiro zu kaufen, eventuell aber schon vorher auszusteigen. Bei der gestrigen Fahrt nach Ferrol haben wir uns nämlich die besonders hübschen Orte auf unserem Fahrtverlauf angekreuzt. Die Wahl fiel dann auf Viveiro.

Es ist Ebbe, und wir gleiten mit dem FEVE-Zug an spannenden Wattlandschaften vorbei. Ansonsten fährt der Zug mitten durch Wälder; die Schienen liegen auf dem Waldboden; rechts und links wachsen Gestrüpp, Kiefern und Eukalyptusbäume. Bei unserer Ankunft in Viveiro ist die Bucht eine einzige Wattlandschaft, und wir fragen uns, warum man eine so lange Brücke darüber gebaut hat. Wir gehen am Ufer entlang, wundern uns über die vielen Algengewächse, betrachten die an Steinen und Mauern klebenden Muschelpakete und fotografieren versunkene Schiffe, die völlig mit Algen zugewuchert sind. Weitere Boote liegen auf dem Watt und warten auf die Flut. Weit und breit gibt es keine Möwen.

Wir laufen und laufen, immerzu in Richtung Meer. Links von uns werden riesige Schleppnetze ausgebreitet und dann auf große Rollen aufgerollt. So werden sie zu den Schiffen gebracht und später auf dem Meer in Schlepp genommen. Wir biegen ab zum kleinen Hafen und finden das erste Stückchen Strand von Viveiro, gleich hinter dem himmelblauen Gebäude der Fischergewerkschaft. Es zeichnet sich ab, dass die kleine Straße eine Sackgasse ist. So biegen wir nach rechts in eine Gasse ab und gehen dann bergan. Es geht vorbei an schmucken kleinen Häusern mit Blumen hinter den Fenstern und auf den kleinen Balkonen; die Reihe wird ab und zu von Bauleichen unterbrochen. Immer steiler geht es hinauf, bis wir zu wunderschönen Villen mit prächtigen Gärten kommen. Dann haben wir den höchsten Punkt erreicht und genießen erst einmal den Ausblick.

Weiter geht es wenige Meter an einer Straße entlang. Der Ausblick wird immer schöner. Dann biegen wir nach links ab in Richtung Meer. Es geht an einem supermodernen Hotel vorbei - nein danke, da möchten wir nicht wohnen, auch wenn es im Reiseführer empfohlen wird. Das Restaurant ist gut besucht. Wir haben unsere Notration dabei, also gehen wir weiter. Es folgen weitere, kleinere Hotels und eine Jugendherberge, aber diese befinden sich noch im „Winterschlaf“. Dann sind wir am Strand, ganz alleine. Herrlich! An den Enden der Bucht liegen dicke Felsen, ansonsten gibt es Sandstrand und Dünen. Wir finden einige sehr schöne Muscheln, blicken hinaus aufs Meer, sehen in der Ferne einige kleine, aber hohe Felsinseln und entlegenere Bereiche der Steilküste.

Nun wollen wir über die Höhe und durch eine Senke zu einer weiteren Bucht gehen, aber ein Fluss schneidet uns den Weg ab. Wir müssen leider am Strand zurücklaufen. Das Meer ist ruhig, und die Wellen rollen gemütlich an den Strand. Es ziehen immer mehr dunkle Wolken auf. Heute haben wir ausnahmsweise kein Regenzeug oder Schirme dabei...

So beschließen wir, den Rückweg anzutreten. Wir begegnen der dritten Sorte Orchideen in diesem Urlaub und kommen an einem riesigen Feld mit Fingerhüten vorbei. Dann sind wir wieder im Villenviertel. Ach ja, heute ist der Tag der toten Tiere: zwei Ratten, ein Igel und eine Taube hat es erwischt. Unser Weg führt uns wieder zum kleinen Hafen und an den Fischernetzen vorbei. Es regnet nicht, aber die Wolken sind wirklich bedrohlich. Wir kehren in einer Pastelleria ein und genießen kleine Gebäckteilchen, Kaffee und Eis.

Dann gehen wir wieder in das Stadtzentrum. Die Architektur ist einfach toll! Viele Gebäude sind fast andalusisch, nur sind alle Holzbalkone und Loggias in Weiß gehalten. Daneben gibt es Häuser aus Naturstein mit schiefergedeckten Dächern, wobei die Schieferstücke nicht zurechtgeschnitten oder wohlgeordnet sind. Kleine Gässchen ziehen uns an. Wir kommen zur romanischen Hauptkirche, die völlig aus Naturstein gebaut wurde; nicht mal der Boden in der Kirche ist eben. Dahinter befindet sich ein Kloster mit Lourdesgrotte und Votivgaben. Manche Häuser stehen leer, sind zu verkaufen oder zu vermieten. Daneben gibt es immer wieder einsturzgefährdete Bauten.

Wir blicken auf die Uhr, wir dürfen den letzten Zug des Tages nicht versäumen. Es reicht aber noch für ein Bierchen und einen Weißwein. Dann gehen wir zum Bahnhof. Es warten schon einige Leute. Wir kommen mit einem alten Ehepaar ins Gespräch. Der Mann bemüht sich, bestes Spanisch zu sprechen. Inge versteht nur einzelne Worte, die Frau leider gar nicht. Als sie dem Mann unsere Route aufsagt, strahlt er, schwärmt von Galicien und schimpft auf Barcelona und die Taschendiebe. Dann kommt der Zug, der nur aus einem Waggon besteht und fast ganz besetzt ist. Obwohl wir die Strecke jetzt schon zum dritten Mal fahren, entdecken wir immer Neues. So ist das „Watt“ inzwischen voll aufgelaufen. Wir sind überrascht, dass so viel Meerwasser bis weit ins Landesinnere fließt. Was vorher tot schien, ist jetzt voller Leben. Wir sehen Fischschwärme, die alles, was an der Oberfläche schwimmt, einfach aufzusaugen schienen. Einige springen sogar meterhoch in die Luft, um dann wieder ins Wasser zu klatschen. Total spannend!

Dann kommen wir wieder in Ferrol an - hier scheint den ganzen Tag die Sonne geschienen zu haben. Wir gehen direkt zum Hotel. Die Stadt wirkt richtig ausgestorben. Ein eisiger Wind fegt durch die Rua Dolores. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Mittwoch, 18.05.2011

Wir können ausschlafen und den Tag wieder ruhig angehen lassen. Unser Bus nach Santiago geht erst kurz nach 11.00 Uhr. Wir fahren dieses Mal mit Monibus und nicht mit ALSA oder ARRIVA. Die Fahrt ist sehr schön, trotz Autobahn. Der Bus verlässt sie nämlich immer wieder, um zu kleinen Orten zu fahren. So kommen wir z.B. nach Pontedeume, sehr hübsch und wie Viveiro an einem Fluss gelegen, der wegen Ebbe fast leer gelaufen ist. Dann geht es durch eine Hügellandschaft, mit Feldern und Kuhweiden. Sie sieht gar nicht spanisch, sondern eher schweizerisch aus. Schließlich erreichen wir den riesigen Busbahnhof von Santiago. Wir erkundigen uns gleich nach der Weiterfahrt nach Lugo. Die Busgesellschaft Freire bietet am Freitag eine Verbindung um 9.10 Uhr an.

An der Information sagt man uns, dass es ca. zwei Kilometer bis ins Stadtzentrum seien. So nehmen wir erstmalig ein Taxi auf dieser Reise; 6,10 Euro wird es kosten. Der Taxifahrer fragt nach wenigen Metern im besten Rheinländisch, ob wir Deutsche wären. Er sei Halbdeutscher und hätte 20 Jahre in Düsseldorf gelebt. So haben wir ein wirklich nettes Gespräch, und er schwärmt uns von der schönsten Stadt Spaniens vor: Santiago di Compostella. Trotz Halteverbot lässt er uns direkt vor unserer Residenza aussteigen, an der Plaza Galicia. Unsere Pension im 2. und 3 Stock eines Wohn- und Geschäftshauses erweist sich gleich als Volltreffer: total neu, mit einem reizenden Empfang und der Wahlmöglichkeit zwischen zwei Zimmern.

Nachdem wir unser Gepäck abgestellt haben, wollen wir gleich wieder los, aber die junge Frau an der Rezeption hat Inges Personalausweis verlegt. Sie sucht und sucht... Wir sehen schon große Probleme auf uns zukommen, weil der Ausweis ja bei jeder Unterkunft vorgelegt werden muss. Gott sei Dank findet sie ihn wieder. Zur Entschädigung für das Warten schenkt sie uns gleich einige Postkarten. Wir lassen uns noch Restaurantempfehlungen geben.

Die eine Gaststätte sieht grandios aus, hat aber keine Speisekarte ausgehängt - das könnte teuer sein. Also wählten wir das andere Restaurant, das sogar vom Michelin ausgezeichnet wurde. Es erwartet uns ein richtiges „Edelessen“: Fischsuppe, Sopa Galego (Hühnerbrühe mit Bohnen und Cimablättern), eine gemischte Fischplatte (dreierlei verschiedener Fisch gegrillt), Schnecken Linguine, Artischocken mit Mayonaise, ein Nougat-Torrone-Eis und Cheso com Membrillo (Käse mit Quittenpaste). Dann folgen Kaffee und ein Likör bzw. Brandy. Auch der Rioja blanco schmeckt uns sehr gut.

So gestärkt geht es auf Stadterkundung. Martin hat einen Spazierweg in die Außenbezirke Santiagos ausgesucht, der aber leider nicht zu finden ist. So lassen wir uns einfach treiben. Wir kommen an der Franziskuskirche und vielen alten Gebäuden vorbei, alle aus Granit. Das gibt der Stadt ein ganz besonderes Flair. Bald erreichen wir die kleinen Gassen der Innenstadt, die voller Touristen und dementsprechend voller Andenkenläden sind. Oh je, das ist nichts für uns!

Dann erreichen wir den Platz mit der Kathedrale. Er wimmelt von Menschen: Pilgern mit entsprechendem Schweißgeruch, „Studenten für mehr Demokratie“ und Gruppen mit ständig redenden Reiseleitern. Wir lauschen kurz bei einer deutschen Gruppe - die Reiseleiterin erzählt nur wenig über die Kathedrale, aber viel über das Küssen der Jakobusstatue... Aber immerhin erstrahlt jetzt die Fassade der Kirche, dank der Abendsonne, in einem leuchtenden Goldgelb. Das versöhnt uns wieder. Dann strömen die Leute zum Pilgergottesdienst, und wir steuern den Heimweg an. Noch immer drängen sich Gruppen durch die Gassen.

In der Nähe unserer Unterkunft entspannen wir in einer Bar, noch im Freien sitzend, obwohl es schon recht kühl ist. Zu unseren Getränken bekommen wir fast ein halbes Abendessen, sogar warme Teilchen. So beschließen wir: hier frühstücken wir morgen.

Donnerstag, 19.05.2011

Heute steht der ganze Tag unter der Überschrift „Santiago di Compostella“. Zuerst frühstücken wir in der gestrigen Bar, und dann marschieren wir los. Es sind weder Pilger noch viele andere Menschen unterwegs, und aus diesem Grund steuern wir die Kathedrale an. Inge macht noch weitere Fotos wegen des jetzt wunderbaren Sonnenlichtes. Wir schauen uns den Parador noch etwas näher an und betreten dann die Kathedrale durch den Haupteingang. Auch hier hält sich der Besucherstrom noch in Grenzen, und wir können uns in Ruhe umschauen. Die Kirche ist schon grandios, wenn auch wie alle ursprünglich romanischen Kirchen etwas dunkel, nicht zuletzt auch wegen des Granitsteins. Wir steigen hinunter in die Krypta und gehen an der Büste des Jakobus vorbei. Sie wird von verschiedenen Leuten nicht nur geküsst, sondern regelrecht tot gedrückt. Die wenigsten sind unserer Beobachtung nach jedoch Wanderpilger. Interessant und wunderbar ausgestaltet sind die vielen Seitenkapellen.

Nach und nach füllt sich die Kirche, denn ein Pilgergottesdienst steht an. Eine Nonne erzählt zunächst am Mikrofon, woher die Pilger kommen, und singt spanische Kirchenlieder vor, die dann von der versammelten Gemeinde geübt werden sollen. Ein deutscher Pilgerführer begrüßt besonders die Deutschen, es müssen wohl sehr viele sein. Beim Lied „Großer Gott wir loben Dich“ stimmen aber keine Pilger ein. Arme Vorsingnonne! Es ist schon jämmerlich, dass die Deutschen nicht einmal mehr die bekanntesten Kirchenlieder singen können. Ein trauriges Bild vom Pilgerwesen!

Dann führt uns der Weg zum Monasterio de San Martin Pinario. Dort sind wir mit einem Kunstprofessor und fünf Studenten fast alleine. Es ist die kunsthistorisch schönste Kirche Santiagos; sie wird aber wohl nicht mehr religiös genutzt. Nach der 1000-jährigen Nutzung als Benediktinerkloster (bis ins 19. Jahrhundert) wurden Gebäude und Kunstschätze nach der Säkularisierung an die Kirche zurückgegeben. Die Gebäude wurde als Priesterseminar für die Diözese Santiago genutzt. Man findet hier einen Schatz von Kunstwerken aus dem 16. bis 19. Jahrhundert: Sakralkunst, Wissenschaftskabinette, Relikte aus der alten Klosterapotheke, Druckereimaschinen mit alten Druckstöcken. Besonders hervor sticht das Chorgestühl der Kathedrale von Santiago, das wertvollste Juwel galicischer Renaissancekunst. In der oberen Etage der Kirche hat es einen außergewöhnlichen architektonischen wirksamen Platz gefunden. Wir bleiben in dem Kloster bis es mittags schließt.

Ganz in der Nahe, weg von den Touristenströmen, haben wir schon auf dem Hinweg ein kleines Restaurant gefunden. Das wird jetzt angesteuert. Es gibt Fischsuppe, Sopa Galega, Pulpo in heißem Öl mit Paprika, Lammbraten, Mandeltorte von Santiago, Käse mit Quittenpaste (Membrillo), Wein, Wasser, Licore Hierbas und Kaffee.

Satt und beschwingt setzen wir unsere Tour durch Santiago fort. Wir besuchen das Museo do Pobo Galego im ehemaligen Gebäude des Klosters Santo Domingo de Bonaval. Es ist das erste völkerkundliche Museum Galiciens und führt ein in das Leben des galicischen Volkes. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, ein umfassendes, in sich geschlossenes Bild der galicischen Lebensgestaltung zu vermitteln. Und das gelingt! Wir erfahren viel über Galicien, und die Zeit vergeht wie im Flug.

Dann bummeln wir noch durch den angrenzenden Park. Überall genießen die Menschen den Feierabend, spielen Kinder. Wir gelangen durch eine ungewöhnliche Kleingartenanlage. Jeder Pächter hat hier ein paar Beete, die sich aneinanderreihen. Die Leute sind am Gießen oder bei anderen Gartenarbeiten. Am Ende der Anlage befindet sich eine Art Lehrgarten mit Kräutern und verschiedenen Gemüsesorten; er gehörte wohl einmal zum nahegelegenen Klosterkonvent de Belvis. Wir gehen nicht in die Kirche, da gerade eine Messe stattfindet. Dann kommen wir zur Pilgerherberge Seminario Menor. Sie ist ein riesiger Gebäudekomplex in einem öffentlichen Park mit Alleen und Irrgärten. Wir gehen bergab und erreichen auf der anderen Seite des Parks eine nette Bar mit riesiger Terrasse und Blick hinauf zur Pilgerherberge. Wir nehmen unsern Abendtrunk ein und gehen dann zu unserer Unterkunft zurück.

Freitag, 20.05.2011

Wir checken gegen 7.30 Uhr aus und nehmen ein Taxi zum Busbahnhof. Das Frühstück in einem dortigen Café ist überraschenderweise köstlich. Dann kaufen wir Fahrkarten bei der Busgesellschaft Freire für den Bus nach Lugo. Um 9.10 Uhr geht es los.

Die zweistündige Fahrt geht nicht über Autobahnen. So ist sie besonders abwechslungsreich. Zunächst kommen wir am Flughafen vorbei, wo Dutzende von Taxis stehen. Dann geht es durch kleine Dörfer und wechselnde Landschaften bergauf und bergab. Der Himmel ist bedeckt, und es würde uns nicht verwundern, wenn einige Tropfen fielen. Wir sehen viele Wanderer, denn die meisten Wanderstrecken führen direkt an der Hauptstraße entlang. Da ist Pilgern wirklich kein Vergnügen! Eine Herberge entdecken wir auch, ebenso wie vereinzelt etwas zwielichtige Figuren. Ob uns der Jakobsweg Spaß machen würde? So richtig können wir uns das nicht vorstellen.

Wir nähern uns Lugo, einer Stadt auf mehreren Hügeln und mit vielen Hochhäusern - auf den ersten Blick etwas enttäuschend. Vom Busbahnhof aus sehen wir die römische Stadtmauer. Sie ist aus schieferartigem Gestein und umgibt auf etwa zwei Kilometer Länge die eigentliche Altstadt. Durch ein Tor gelangen wir nach wenigen Schritten zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken brechen wir gleich wieder auf zu einem Mauerspaziergang. Der Weg erweist sich als sehr staubig; geregnet hat es hier wohl lange nicht mehr. Er ist sauber, wirkt aber dennoch etwas verkommen; nahezu alle Lampen sind zerschlagen. Von der Stadtmauer blickt man rechts in die Außenbezirke und links in die Altstadt. Kräne gibt es auf beiden Seiten; es wird gebaut und gebaut. Viele Häuser stehen leer oder werden abgestützt; daneben gibt es Neubauten oder frisch renovierte Häuser. Es ist ein richtiges Gebäudechaos; nur selten sehen wir ein intaktes Ensemble. Vor uns stürzt eine Frau, weil auf dem Weg liegende Bretter durchgebrochen sind. Dann passieren wir eine Fläche mit Ausgrabungen, alles mit Planen abgedeckt. Wie schön könnte es hier sein! Auf dem Rundweg begegnen wir noch einer Schulklasse und vier Touristen mit Fotoapparaten.

Wieder beim Hotel angekommen zeigt uns ein Blick von der Stadtmauer eine Art Terrasse mit Sonnenschirmen, noch ohne Besucher. So steigen wir die Treppe hinab und lassen uns an diesem lauschigen Plätzchen nieder. Es ist ein Restaurant mit Taperia an der kleinen Plaza do Cantino. Wir bekommen die Speisekarte und wählen erst einmal aus: Blattgemüsecreme, Blätterteig mit Jambon und warmem Käse, Bacalao auf geröstetem Brot mit einer Art Mayonnaise, Solomilla mit Sauce aus Beerenfrüchten, Vino, Schokoladencreme und Tarta di Cheso mit Naranja.

Mit der Entscheidung für dieses kleine Lokal sind wir total eingetaucht ins spanische Leben. Innerhalb der nächsten 30 bis 40 Minuten ist jeder Stuhl besetzt. Um uns herum sitzen Spanier aller Altersstufen, Paare, Geschäftspartner, Mütter mit Kindern etc. Die meisten verbringen ihre Mittagspause hier, verzehren Tapas und trinken Wein, Bier oder Kaffee. Sie tragen schicke Kleider und Schuhe, Maßanzüge mit Krawatte oder Jeans. Wir sind mitten drin im Geschehen. Um 14.00 Uhr sind wir gekommen und erst um 16.30 gehen wir wieder. Kaum zu glauben, dass man in dieser Stadt ein so lauschiges Plätzchen finden kann, wie eine Insel im Getriebe!

Wir gehen zum Hotel, putzen die verstaubten Schuhe und packen unser Gepäck um. Ein Koffer mit Dreckwäsche wird von nun an nicht mehr aufgemacht; die sauberen Sachen sind durchgezählt und sortiert. Wir machen noch einem kleinen Abendspaziergang. Es ist schwülwarm und nebeldunstig. Vielleicht regnet es in der Nacht.

Samstag, 21.05.2011

Reisetag, es geht nach Leon! Um 7.00 Uhr gibt es im Hotel noch kein Frühstück; so checken wir aus und gehen durch die schlafende Stadt zum Bahnhof. Außer ein paar Frauen, die ihre Hunde ausführen, ist niemand unterwegs. Wir frühstücken in der Bahnhofsbar Bocandillo con Cheso und trinken dazu Kaffee. Die Bedienung ist sehr nett. Das Bahnhofsklo ist mit einem Hygienezertifikat ausgezeichnet, super sauber und sogar kostenfrei! Wenn ich da an München denke...

Auf dem Bahnsteig wartet wieder eine Zugberaterin in orangefarbenem Jackett. Dies haben wir schon häufiger erlebt. So kann wirklich keiner in den falschen Zug einsteigen! Die Zugberaterin kontrolliert die Reservierungen und hilft im Bedarfsfall auch beim Ein- oder Aussteigen. Unser Zug besteht aus einem Wagon der 1. Klasse; man sitzt wie in einem Wohnzimmer.

Der erste Fahrtabschnitt bis Monforte de Lemos dauert etwas über eine Stunde. Der Zug kommt zehn Minuten zu früh an - auch das gibt es in Spanien (und natürlich nicht in Deutschland!). Wir steigen um in den Zug nach Barcelona, der uns bis Leon bringen wird. Die dreistündige Fahrt zeigt uns wieder ein ganz anderes Spanien: Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Besiedelung ist unterschiedlich dicht, es gibt Weinanbau, Obstplantagen, Berge, Felsmassive, Ödland, Flüsse... Ein Fuchs betrachtet neugierig den Zug, Störche stehen auf Dächern oder nisten auf Strommasten. Eine Reihe von Fotos wird belegen, wie sich die Landschaft immer wieder verändert. Leider werden sie Bilder etwas unklar sein, da die Fenster nicht ganz so blank sind, wie sie Fotografen oder Filmer lieben.

Der Zug hält nur an größeren Umsteigebahnhöfen. Manchmal sehen wir Autobahnen oder schmale Straßen; dann wieder fährt unser Zug durch scheinbar unberührte Natur. Wir sehen Astorga mit seiner großartigen Kathedrale vom Zug aus; da werden wir noch einen Ausflug hin machen, da der Ort nur 30 Minuten von Leon entfernt ist. Und dann ist auch dieser Zug zu früh dran; wir müssen eine Zeitlang auf die Entsperrung der Türen warten.

Der Bahnhof überrascht durch seine Sauberkeit. Wir informieren uns über den Weg zum Hotel; es liegt wohl hinter der Kathedrale. Also steuern wir das Zentrum an, überqueren die Löwenbrücke über den Rio Bernesga und sind schon begeistert von der wunderbaren Architektur, die sich rechts und links von uns auftut. In einem kleinen Eisenwarenladen fragen wir nochmals nach dem Weg. Wir hätten nach der Rua Gonsales de Lama gefragt und das wäre unser Fehler gewesen, erklärt die nette Besitzerin. „La Rua ist eine der malerischen Gassen in der Altstadt. Lassen Sie besser das nächste Mal die Bezeichnung Rua oder Calle einfach weg und nennen den Namen. Dann sind Sie auf dem sicheren Weg“. Die Frau bedauert, dass sie nur spanisch spreche, aber wir kommen klar. Dann geht sie noch in ihr Büro, holt einen Stadtplan und schenkt ihn uns. Einfach nett!

Wir kommen an der Kathedrale vorbei in ein Wohnviertel und sind dann gleich bei unserem Hotel. Wir werden nett empfangen und bekommen ein großes schönes Zimmer. Mittlerweile ist es fast 15.00 Uhr. Wir laufen los und finden ein Restaurant in der Nähe der Reste der alten Stadtmauer. Es bietet ein Menü für 15 Euro an. Die Tische sind edel aufgedeckt, und ein köstliches Essen erwartet uns: Linsensuppe, Melone mit Jambon, Filet und Steak mit Kartoffeln und geschmorter süßer roter Paprika, Torta di Cheso, eine Flasche Weißwein, Wasser, Kaffee und der übliche „Absacker“ für gerade einmal 37,- Euro. Um uns herum gibt es viel zu beobachten, z.B. eine spanische Familie mit drei erwachsenen Kindern und ab 16.00 Uhr eine Truppe von sieben Männern beim Junggesellenabschied. Der Bräutigam muss sich mit blonder Perücke und langem Kleid kostümieren; die anderen tragen die gleichen T-Shirts und eine Tröte um den Hals in Form eines Minibusens.

Es ist fast unmöglich, in Spanien vor 15.00 Uhr ein Mittagessen zu bekommen. Dagegen darf man ruhig noch nach 17.00 Uhr kommen. Daran muss man sich gewöhnen, sonst hat man Pech gehabt. Aber es gehört ja auch zum Kennenlernen einer Kultur, dass man neugierig ist und in sie eintaucht. Das ist uns heute wieder gelungen.

Nach dem Mittagessen beschließen wir, uns treiben zu lassen und am Fluss entlang in die Außenbezirke zu wandern. Es geht durch Parks mit Spielplätzen, Bänken und Trimm-Dich-Geräten wie bei uns im Fitnessstudio. Wir beobachten Fische; Martin entdeckt einen dicken fetten Flusskrebs, der sich durch den Dreck wühlt. Wir müssen nach einiger Zeit umkehren, denn die Uferwege werden erneuert und sind deshalb gesperrt.

Über eine Brücke gelangen wir auf die andere Flussseite zu einem großen Sportgelände. Es findet ein riesiges Sport- und Spielfest für Kinder und junge Leute statt. Wir haben es schon vom Zug aus gesehen. Alle haben viel Spaß - auch wir. Besonders fasziniert uns eine Art Überschlagschaukel mit Fahrrad. Festgeschnallt auf dem montierten Fahrrad wird getrampelt, und dann fährt das Fahrrad den Metallring entlang, sodass der Fahrer zeitweise kopfüber unterwegs ist. Einige Kids haben Angst und schaffen keinen Überschlag, andere können nicht genug kriegen. Es ist richtig toll. Wahrscheinlich blieb in der ganzen Stadt kein Kind daheim, so viele Kinder sind anwesend.

Wir wandern weiter am Fluss entlang, beschließen auf der Brücke mit den Löwen aber, den Heimweg anzutreten. Dicke schwarze Gewitterwolken sind aufgezogen; es donnert und blitzt. Einige Tropfen erwischen uns noch an der Kathedrale, und dann sind wir schon im Hotel. Wir gehen in die Bar, wo gerade ein größeres Fest zu Ende geht. Alle Leute sind schick gekleidet; die Kinder haben dicke Tüten mit Süßigkeiten bekommen. Wir trinken ein Bier, Zuma Naranja natural und Aqua. Neben uns trinken Leute aus dem Stadtteil einen Kaffee.

Sonntag, 22.05.2011

Aufwachen in Leon. Es ist heiß - heißer kann es im Sommer kaum sein. Der Unterschied zu unseren Breiten: Schon morgens um 10.00 Uhr ist es glühend heiß und abends um 19.00 Uhr immer noch. Es ist kaum zu glauben, dass wir an der Küste in Strickjacke und Anorak gelaufen sind!

Gegen 9.00 Uhr gehen wir zum Frühstück. Wir haben uns für das Buffet entschieden und lassen es gemütlich angehen. Für alle Wünsche ist gesorgt: Es gibt Schinken, Käse, Joghurt, leckerste Orangen, Kuchen etc.

Nach dem Frühstück spazieren wir in Richtung Kathedrale. Es bleibt uns noch etwas Zeit für die Besichtigung. Dann nehmen wir an der Sonntagsmesse teil: kurze Predigt, aber viel Gesang und Orgelspiel. Es gefällt uns sehr gut. Wir sehen keine Pilger, aber Einheimische aller Altersstufen. Die Catedral Santa Maria La Regla wurde bereits im 13. Jahrhundert begonnen, aber erst mehrere Jahrhunderte später fertiggestellt. Sie ist von vollendeter Eleganz, und bei Sonnenschein wie heute kann man die fantastischen Buntglasfenster so richtig bewundern. Sie stammen aus ganz unterschiedlichen Jahren zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert und bedecken insgesamt eine Fläche von mehr als 1.800 Quadratmetern. Man sagt, die Kathedrale bestände aus mehr Glas als Stein. Die Farben sind grandios, und die bunten Schatten werden auf Wände und Altäre übertragen.

Nach dem Gottesdienst machen wir nochmals eine Runde durch die Kirche. Eine kleine alte Dame spricht uns an und fragt, ob wir Französisch sprechen würden. Das können wir, und so erzählt sie uns, dass um 13.00 Uhr nochmals ein Orgelspiel zu hören sei. Das hätte für uns aber bedeutet, einen weiteren Gottesdienst abzuwarten.

So machen wir uns stattdessen auf zur Plaza Martino. Hier befindet sich die Real Basilica de San Isidora. Diese königliche Stiftskirche ist an die alte Stadtmauer angebaut und zählt zu den bedeutendsten Werken der spanischen Frühromanik. Dies bezieht sich besonders auf das angeschlossene Pantheon der Könige. Hier finden sich die Särge der frühen Herrscher von Kastilien und Leon. Der Kirchenkomplex wurde dem westgotischen Heiligen, Kirchenvater und Gelehrten Isidor o Sevilla geweiht. Unweit der Kirche befindet sich auf einer korinthischen Säule ein Storchennest.

Wir schlagen den Weg ein nach San Marcos. Hier stand schon im 12. Jahrhundert das Stammhaus des Ordens von Santiago mit einer Pilgerherberge. Heute sind noch Kirche, ein Museum und ein Parador erhalten. Uns bleiben leider nur 15 Minuten für die Kirchenbesichtigung, dann wird geschlossen, und montags hat auch das Museum zu. So werfen wir noch einen Blick in den Parador und stellen fest, dass hier die gleiche Speisekarte existiert wie in den anderen Luxushotels. Pech für die, die eine Paradorreise buchen!

Wir wenden uns wieder der Altstadt zu, auf der Suche nach einem Restaurant für das Mittagessen. Beinahe haben wir schon aufgegeben, da finden wir in einer kleinen Gasse ein nettes Lokal, unweit der Plaza Mayor. Das Menü des Tages bietet uns Bohnensuppe, gefüllte Piementos (rote Paprika ohne Haut), Baccalau mit süßem Paprika, ein Entrecôte, Tiramisu, Flan de Cafe, Wein, Wasser, Kaffee, Licore Hierbas und Brandy für 35,- Euro. Kaum zu glauben! Und das bei einer blütenweißen Tischdecke...

Dann bummeln wir zurück zum Hotel. Es ist glühend heiß; wir machen eine Stunde Siesta. Dann geht es wieder nach draußen. Kurz hintereinander machen wir zwei interessante Taubenbeobachtungen: An dem kleinen Springbrunnen vor San Marco baden aufgeplusterte Tauben mit Hingabe und bespritzen sich gegenseitig. Dann sehen wir vor einem Schaufenster in der Avenida Ordono eine verrückte Taube: Sie ist noch jung und sieht irgendwie gerupft aus; ihr Kopf ist ganz kahl. Die Taube läuft auf der kleinen Brüstung vor einem Schaufenster auf und ab, sieht sich im Glas, hackt auf ihr Spiegelbild ein, rennt wieder auf und ab. Sie lässt sich von uns nicht ablenken.

Wir erreichen bummelnd die Plaza Mayor. An allen Seiten gibt es kleine Kneipen und Cafés. Kinder spielen und fahren Roller. Wir haben Mühe, ein Plätzchen im Schatten zu finden, genießen dann ein kühles Bier, Wasser, Saft und eine Art Sangria. Ein netter Kellner redet in Sätzen mit Wörtern aus fünf Sprachen auf uns ein. Er ist von den Deutschen begeistert; seine besten Freunde würden in Köln wohnen. Dann traben wir zurück zum Hotel, besuchen aber vorher noch die Störche auf dem Turm von San Lorenzo.

Montag, 23.05.2011

Welttag der Schildkröte. Wer das wohl weiß? Heute ist es ganz ruhig beim Frühstück; alle Wochenendbesucher sind abgereist. Wir bekommen einen leckeren Kaffee aus der Bar gebracht, und das Buffet ist so gut wie gestern.

Wir schlagen uns in Richtung Busbahnhof durch, denn jede Stunde soll ein Bus nach Astorga gehen. Wir haben wohl ein „Loch“ erwischt: Der nächste Bus geht erst um 12.30 Uhr. Also besuchen wir noch die Plaza San Francisco mit der gleichnamigen Franziskanerkirche, ein schlichter Bau. Daneben befindet sich ein großer Park mit einer Statue von Franziskus mit dem Wolf und einer anderen, wie er mit den Vögeln spricht. Dann gibt es noch einen hübschen Neptunbrunnen. Wir beobachten eine Amsel, die mit ihrem Schnabel mehrere Löwenzahnblätter pflückt, noch Papierfetzen aufsammelt und dann zu ihrem Nest fliegt. Wer sieht schon eine Löwenzahn pflückende Amsel?

Es ist glühend heiß, und in der Sonne ist es nicht auszuhalten. Wir gehen wieder zum Busbahnhof. Der Bus nach Astorga scheint voll zu werden; eine lange Reihe hat sich schon gebildet. Vor uns steht ein alter Mann. Er scheint uns zu beobachten und zuzuhören. Dann sagt er: „Deutsch? Ich trabajo in Säckingen par 20 Jahre. Frau, zwei Kinder“. Er sucht nach Worten, versteht aber sehr viel. So kommt es zu einem netten Gespräch trotz Inges kleinem spanischen Wortschatz und seinem Erinnerungsdeutsch. Er will noch wissen, ob uns Spanien gefällt und was wir besucht haben. Solche Begegnungen lieben wir!

Dann geht es in knapp einer Stunde nach Astorga. Trotz der kurzen Strecke sehen wir wechselnde Landschaften und Störche auf Starkstromleitungen mit Jungen in den Nestern. Dann sehen wir in der Ferne schon Astorga und die Türme der Kathedrale. Im Busbahnhof fragen wir vorsichtshalber noch nach den Rückfahrmöglichkeiten.

Es geht über die Straße, und dann sind wir bei der Kathedrale und dem Bischofspalast von Gaudi. Letzteres ist heute ein Museum; nie hat ein Bischof in ihm gewohnt. Die Sonne steht wunderbar, so werden viele Fotos gemacht. Das Museum hat heute zu, die Kathedrale sollte eigentlich täglich geöffnet sein. So hoffen wir, dass sie nur für die Mittagszeit geschlossen wurde und ab ca. 17.00 Uhr wieder auf hat.

Wir durchwandern die kleine Stadt, genießen den Blick zu den über 2.000 Metern hohen Bergen mit Schneeresten, spazieren auf dem Paseo oberhalb der alten Stadtmauer, kommen in einen schönen Park zu weiteren verschlossenen Kirchen und einer Pilgerunterkunft und suchen dann wieder nach einem Restaurant. Wir werden fündig und sind mit dem Essen sehr zufrieden: weiße Bohnensuppe mit Coricia, geschmorte Schweinebäckchen, Täubchen, aufgeschlagenes Joghurt mit Himbeeren, mit flüssiger Schokolade gefüllte Törtchen und Quarkeis, Wein, Wasser, Brandy, Sherry und Kaffee.

Mittlerweile sind draußen Wolken aufgezogen. Ob es ein Gewitter geben wird? Wir gehen wieder zur Kathedrale, die aber immer noch geschlossen ist. Wir fragen Einheimische und erfahren, dass auch die Kathedrale montags geschlossen hat, wie das Museum. Schade! Um 17.30 geht es mit dem Bus zurück nach Leon. Auf dem Weg zum Hotel genießen wir noch ein Lutscheis auf einer schattigen Bank gegenüber der Kathedrale. Es ist noch immer glühend heiß.

Dienstag, 24.05.2011

Nachdem Frühstück gehen wir gleich Richtung Busbahnhof. Um 9.30 Uhr ist es in der Sonne schon wieder heiß. Die Straßen sind fast menschenleer; einige Schulkinder in Uniform begegnen uns. Am Zebrastreifen vor dem Busbahnhof lassen wir noch einem Taxi den Vortritt. Der Taxifahrer bedankt sich überschwänglich mit Handzeichen.

Dann sitzen wir im Bus nach Logrono. Er ist gut besetzt. Auf der Strecke bis Burgos nicken wir abwechselnd ein. Es geht durch flaches Land, das landwirtschaftlich genutzt wird. Doch wir sehen nur wenige Dörfer und keine einzeln stehende Gehöfte. Es ist uns immer noch unklar, wie das mit der Landwirtschaft funktioniert - die Bauern haben wohl eine weite Anfahrt zu ihren Feldern. Immer wieder verläuft der Jakobsweg neben der Straße. Wir sehen einzelne Wanderer oder Radwanderer. In der glühenden Hitze müssen sie sich fühlen wie auf dem Grill. An einigen Wegstrecken hat man vor kurzem Baumalleen angelegt. Bis die winzigen Bäume einmal Schatten spenden werden, dürften noch 30 Jahre vergehen!

Dann erreichen wir Burgos und sehen auch gleich die Kathedrale. Der Busbahnhof ist mitten in der Stadt - wir kennen sie schon von unserer letzten Spanienreise. Der Fahrer verkündet eine 20 Minuten lange Pause; wir müssen alle aus dem Bus aussteigen. Dann geht die Fahrt weiter und wird von Kilometer zu Kilometer landschaftlich abwechslungsreicher und spannender. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. In der Ferne werden wir von hohen felsigen Bergen begleitet; die Landschaft ist hügelig mit interessant geformten Getreidefeldern, dazwischen sehen wir Weinberge und Abschnitte mit Ödland oder Felsen. Immer wieder kommen wir an Wiesen mit Klatschmohn vorbei und bewundern große gelb blühende Ginsterbüsche entlang der Straße. Gelegentlich fahren wir durch größere Orte mit alten Kirchen und Burgruinen, dann wieder durch kleine Waldstücke oder entlang von Flüssen. Die Landschaft wirkt wie ein kunstvoll gestalteter Fleckerlteppich.

Dann kommen die ersten Neubausiedlungen in den Außenbezirken von Logrono. Wir erreichen den Busbahnhof, der in der Neustadt in der Nähe des Bahnhofs liegt. Er ist klein und übersichtlich. Der Bus ist wieder auf die Minute pünktlich. Wir erkundigen uns gleich nach den Verbindungen nach Soria, unserem nächsten Ziel. Die kleine Stadt liegt auf 1.000 Meter Höhe, die Fahrt geht durch die Berge, und der Ausflug dorthin reizt uns schon sehr. Auf dem Weg zu unserem Hotel passieren wir herrliche alte und neue Wohnhäuser mit Parks voller Rosen. Toll! Und die Stadt ist blitzsauber. Unser Hotel liegt ruhig und ist wie alle auf unseren Spanienreisen gebuchten Unterkünfte wirklich sehr gut.

Im Eiltempo checken wir ein, machen uns frisch und gehen dann in die Stadt. Nach gezielter Ausschau finden wir wieder ein gutes Restaurant: weißer Rioja, eingelegte Oliven als Aperitif des Hauses, Cipirones (besonders kleine Tintenfische), warmer Bacalaosalat, dann für uns beide ein wunderbarer gegrillter Fisch mit Bratkartoffeln und Salat, Quarkcreme mit Membrillomus, Blätterteig mit Vanille und Mandeln, Moscatel und Kaffee. Alles schmeckt einfach gut und könnte als vorgezogenes Abschiedsessen durchgehen.

Wir gehen zur Kathedrale, die leider noch zu ist. Auf dem Platz vor ihr campen Streikende. Wir gehen hinunter zum Fluss, dem Ebro, und gelangen in einen Auenwald. Bei Hochwasser dürfte hier alles überschwemmt sein. Wir laufen auf den Flocken der Pappeln wie auf einem Polster aus Daunenfedern. Die weißen Flocken wirbeln wie Schneeflocken durch die Luft und liegen auf den Ästen. Es könnten glatt Schneeflocken sein. Dann überqueren wir den Ebro auf einer Fußgängerbrücke und laufen am anderen Ufer, fast an einer Steilküste entlang. Ein schattiges Bänkchen lockt zum Ausruhen. Da kracht es: Am Ufer ist der Ast eines Baumes einfach abgebrochen. Am Wegrand blühen Stockrosen, Ringelblumen und Quitten, aber alles ist trocken und halb verdorrt.

Wir kommen am Science Museum vorbei mit einem interessanten Klanggarten, den Martin natürlich ausprobiert. Wir gehen nicht über die eiserne Brücke mit ihrer interessanten Konstruktion, sondern überqueren erst die alte Steinbrücke. Dann folgen wir dem Paseo entlang des Ebros, immer in Richtung Berge. Störche überfliegen uns, im Fluss schwimmen Entenfamilien, und einige Entenmänner liefern sich Eifersuchtsszenen. Die Grünanlagen werden immer schöner. Rechts von uns befindet sich die Universität. Überall stehen Bänke; die Papierkörbe sind geleert; nirgendwo ist Unrat oder Hundekot zu sehen. Und dabei werden viele Hunde hier entlang geführt, aber die drohende Strafe sorgt wohl für Sauberkeit.

Obwohl inzwischen schon 17.00 Uhr ist es glühend heiß. Am Ende des Paseo lechzen wir nach einem kühlen Getränk im Schatten. Aber wir müssen noch einen Kilometer weiter laufen. Nur der Fluss trennt uns noch von den Höhlen am gegenüberliegenden Berg. Die Erde ist gelb und lehmrot. Hier wächst nichts mehr; es könnte auch irgendwo in der Wüste sein, würde davor nicht der Ebro fließen.

Nun kommen wir wieder zu wunderschön gestaltet Parkanlagen mit großen und sauberen Spielplätzen. Alle Stadtbewohner scheinen sich aus der Hitze an den Ebro geflüchtet zu haben. Wir umrunden das moderne Gebäude des Forum Rijoa und gehen dann wieder stadteinwärts. An der alten Brücke betreten wir den Pilgerweg, gehen vorbei an der Eremitage des Gregorio, an einigen Kirchen, alten Palästen, der Pilgerherberge und dem Parlament mit einem kuscheligen baumbestandenen Platz davor. Die Tische der Bars auf dem Platz sind mit jungen Leuten besetzt; es herrscht eine quirlige Atmosphäre. Wir sind schon bei unserem Hotel, vor dessen Tür zwei moderne Pilger als Bronzefiguren stehen. Wir nehmen in einer kleinen Bar noch einen kühlen Drink zu uns. In der Zeitung lesen wir, dass es in Barcelona und San Sebastian regnet. Haben wir ein Glück!

Mittwoch, 25.05.2011

Unser Ausflug führt uns in das Bergstädtchen Soria, natürlich wieder gemächlich mit dem Linienbus. Der Ort hat ca. 40.000 Einwohner und liegt am Fluss Duero im äußerst dünn besiedelten Osten von Kastilien und León auf über 1.000 m Höhe. Die umgebenden Landschaften sind karg und schroff; im Winter soll es hier richtig kalt sein. Ausländische Touristen kommen im Gegensatz zu den einheimischen nur selten nach Soria. Der Ort ist zu entlegen.

Das Zentrum der lebendigen Altstadt bildet die Achse Plaza Mayor im Osten sowie die verkehrsberuhigte Einkaufsstraße El Collado und die große Plaza Mariano Granados im Westen. Die „gute Stube“ der Stadt, die Plaza Mayor, wird umgeben von der Kirche Santa María la Mayor, dem Stadtpalast Torre de Doña Urraca, dem Palacio de la Audiencia und dem Rathaus. Der Löwenbrunnen (Fuente de los Leones) steht als Blickfang auf der Mitte des Platzes.

Soria ist bekannt für eine stattliche Anzahl von romanischen Kirchen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Iglesia de Santo Domingo aus dem 12. Jahrhundert. Das sehenswerte Eingangsportal schmücken Szenen aus dem alten und neuen Testament. Am südlichen Rand der Altstadt von Soria liegt die Kirche Nuestra Señora del Espino (16. Jh.) mit dem angrenzenden Friedhof. Von hier aus führt der Paseo de Fortún López hinauf auf den Hügel des früheren Kastells. Es ist ein wunderbarer Spaziergang mit Ausblicken auf die Stadt und die Umgebung.

Eine besondere Sehenswürdigkeit von Soria sind die Ruinen des Klosters San Juan de Duero (12. Jh.). Sie liegen am anderen, dem östlichen Ufer des Flusses. Fasziniert sind wir von den gut erhaltenden Bögen des großen Kreuzgangs der Klosterruine mit romanischen und mozarabischen Elementen. Schließlich besichtigen wir noch die im 16. Jahrhundert umgebaute Konkathedrale San Pedro mit ihrem romanischen Kreuzgang. Nachdem wir ausgiebig das Kircheninnere erkundet haben, schicken uns die beiden diensthabenden alten Damen noch zum Kreuzgang. Sie nehmen unsere Begeisterung wahr und sagen uns, dass wir uns Zeit lassen könnten. Sie hätten zwar schon Mittagspause und müssten eigentlich schließen, aber für uns würden sie Überstunden machen...

Soria ist wirklich ein Kleinod, und auch die Rückfahrt mit dem Linienbus durch kleine Dörfer und bizarre Felslandschaften bleibt uns in Erinnerung.

Donnerstag, 26.05.2011

Von Logrono aus bringt uns der Zug nach Barcelona. Dann entspannen wir im Schlafwagen auf der Fahrt nach Bern. In Zürich folgt noch ein Besuch bei unserer Nichte und ihrer Familie. Dann heißt es heimkehren nach Würzburg.